Was die Spatzen in Potsdam von den Dächern pfeifen: Mindestens zwei bisherige Minister werden dem neuen Kabinett nicht mehr angehören. Anita Tack (Linke), die sich von Umwelt und Gesundheit überfordert sah, und Bildungsministerin Martina Münch. Spätestens, nachdem die Cottbuser SPD-Politikerin ihren Wahlkreis gegen Michael Schierack (CDU) verloren hatte, war für sie nach Lesart der Sozialdemokraten der Verbleib im Kabinett verbaut und auch der Stuhl der Landtagspräsidentin besetzt.

Dass im Koalitionsvertrag das gemeinsame Lernen und Schulzentren verankert sind, könnte ein Hinweis auf die erste linke Bildungsministerin seit 1994 sein: Gerrit Große, Expertin auf diesem Gebiet und bisher Landtags-Vizepräsidentin. Zudem würde sie die linke Frauenquote erfüllen. Wieder im Rennen scheint aber auch der Cottbuser Ex-Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) zu sein. Wenn der ehemalige Schulleiter und Ex-Minister die stets kritisierte Bildungspolitik in den Griff bekommen würde, stünde dies der SPD gut zu Gesicht. Eher aussichtslos erscheint dagegen die Mutmaßung, Woidke könnte seine Generalsekretärin Klara Geywitz berufen. Die Parteistrategin dürfte zurzeit in der SPD unverzichtbar sein.

Von der bisherigen Ministerriege gelten Ralf Christoffers (Linke/Wirtschaft/Energie), Günter Baaske (Arbeit/Soziales), Jörg Vogelsänger (beide SPD/Infrastruktur) und Sabine Kunst (Wissenschaft) als nahezu unantastbar. Die parteilose Kunst hat bei der Hochschul-Fusion in der Lausitz Durchsetzungskraft bewiesen, und ein Thema, das im Wahlkampf hätte "tödlich" werden können, rechtzeitig abgeräumt. Zudem haben weder die Linken, die ihren wissenschaftspolitischen Sprecher Peer Jürgens vor den Wahlen in die Wüste schickten, noch die SPD, deren Fachpolitikerin Susanne Melior nun in Europa aktiv ist, personelle Kompetenz für das Ressort zu bieten.

Dagegen gibt es hinter Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) Fragezeichen. Der Regierungschef braucht hier im Finale der Polizeireform und vor dem Hintergrund der anstehenden Kommunalreform einen durchsetzungsfähigeren Mann an der Seite. Staatssekretär Rudolf Zeeb soll im Gespräch sein. Aber auch Vize-Regierungschef Christian Görke (bisher Finanzen) und Helmuth Markov (Justiz) könnten diese Lücke ausfüllen. Vonseiten der Linken wird allerdings das Finanzministerium präferiert.

Der Jurist Holzschuher dagegen hätte vor dem Hintergrund, dass die Linke aufgrund des Wahlergebnisses mit einem Ministerposten weniger (bisher vier) rechnen gute Chancen, in das Justizressort zu wechseln. Dagegen bleiben der neue Innenminister und der Nachfolger im Umwelt- und Gesundheitsressort die großen Unbekannten. Eine Lösung könnte sein, dass der Bereich Umwelt dem Infrastrukturministerium zugeschlagen wird, und die Gesundheit zu Ministerin Kunst hinzu kommt.

Dass Regierungschef Dietmar Woidke mit seinem Personaltableau noch Zeit hat, bis SPD und Linke dem Koalitionsvertrag zugestimmt haben, dürfte ihm entgegenkommen.

Auch deshalb, weil die Möglichkeit staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen Christian Görke nicht vom Tisch ist. Der sieht sich dem Vorwurf der Vetternwirtschaft ausgesetzt, weil er als neuer Minister für seine Sommertour in den Wochen vor der Landtagswahl einen Funktionär seiner Partei mit einem Foto-Honorarvertrag versorgt hatte.