Nun haben die Sozialdemokraten den Partnerwechsel auch schriftlich auf 185 Seiten vollzogen. Grund genug für die grüne Parteichefin Simone Peter, die Liebelei mit den Genossen im Bund definitiv zu beerdigen.

In Zukunft soll es keine Einbahnstraßen-Festlegungen mehr geben. Sondern man werde mit allen Parteien sprechen, um dann zu entscheiden, "mit wem wir Bündnisse eingehen", so Peter. Die Große Koalition zwingt jetzt auch die Grünen zum Umdenken, wenn man nicht auf Jahre weiter in der Opposition schmoren will. Dazu passt, dass sich einige ihrer führenden Politiker hinter den Kulissen häufiger mit führenden Unionspolitikern treffen wollen. Und mit den Linken ist man sowieso im Gespräch. Umso mehr, als dass die Fraktionen beider Parteien sich nun einer 80-Prozent-Mehrheit im Bundestag erwehren müssen.

Noch weiß man jedoch nicht so genau, wie man die schwierige Rolle als kleine Opposition künftig konkret ausfüllen will. Deswegen nahm Peter auch erst einmal einen Generalverriss des Koalitionsvertrags vor - "enttäuschend, unsinnig, ungerecht", bewertete sie das Papier. Die Energiewende werde ausgebremst, Zukunftsinvestitionen in die Infrastruktur blieben aus. Mit dem Ja zur Vorratsdatenspeicherung gebe vor allem die SPD "jeden bürgerrechtlichen Anspruch ab", zudem schütze die Vereinbarung die großen Vermögen.

Die Linke ließ gestern ebenfalls kein gutes Haar an dem Vertrag. Das Papier sei sozialpolitisch substanzlos und gerechtigkeitspolitisch feige, wetterte Parteichefin Katja Kipping. Vor allem die Bilanz der SPD sei verheerend. Und da man das auch schon vorher gewusst hat, zauberten Kipping und Fraktionschef Gregor Gysi flugs das erste Anti-Schwarz-Rot-Plakat der neuen Politsaison hervor: "Nicht geliefert" stand drauf, darunter las man zahlreiche rot markierte Punkte, die die neue Koalition nicht angehen werde. Grün erhielt nur die Frauenquote.

Was er denn der SPD-Basis rate, wurde Gysi gefragt - zustimmen oder ablehnen? "Ich sage den SPD-Mitgliedern: Seid doch einfach souverän. Entscheidet, wie ihr wollt." Um dann anzufügen: "Wenn man es so sieht wie ich, kann man nicht zustimmen." Darauf lauern jetzt Linke wie Grüne, weil dann auch ihre Karten neu gemischt würden.