Die Gegner nebeneinander: Aufmerksam verfolgen der irakische UN-Botschafter Mohamed al-Douri (l.) und US-Außenminister Colin Powell (Mitte) den Bericht der Waffeninspekteure.
In ihrem Bericht zogen die Inspekteure eine Bilanz mit vielen Details. Nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Passagen:
Die UN-Waffenkontrolleure der Unmovic haben bislang mehr als 300 Standorte überall in Irak untersucht. Die Gesamtzahl der unangekündigten Inspektionen beläuft sich auf rund 400. Mit dem Zugang zu Rüstungsanlagen zeigte sich Blix zufrieden: "Wir haben fast immer ohne Verzögerung Zugang erhalten."
Insgesamt fiel die Bilanz der irakischen Zusammenarbeit mit den Inspektoren aber erneut nüchtern aus. Das Waffenarsenal Iraks kann noch nicht abschließend beurteilt werden: Zwar habe die Unmovic bislang keine Massenvernichtungswaffen und nur eine "ganz kleine Anzahl von Munitionshülsen" gefunden; viele verbotene Waffen seien jedoch nicht deklariert worden. Rund 1000 Tonnen chemischer Kampfstoffe seien noch nicht in die Abrechnung eingeflossen. Daraus dürfe zwar nicht die Schlussfolgerung gezogen werden, dass es die Waffen noch gibt. Irak müsse aber beweisen, dass sie nicht mehr existieren.
Der Irak habe es in seinem Bericht am 7. Dezember 2002 versäumt, frische Daten zu Anthrax, zum Nervengas VX und zu Langstreckenraketen vorzulegen. Blix forderte Bagdad auf, diese Informationslücke zu schließen. Die am 8. Februar von Irak übergebenen Dokumente zu Anthrax und VX enthielten keine neuen Daten. Die UN-Inspekteure schließen mangels Beweisen über die Vernichtung von Kampfstoffen und Produktionsstätten nicht aus, dass einige Bestände noch existieren.
Hinsichtlich der zuletzt umstrittenen El-Samud-Raketen II haben Experten einmütig festgestellt, dass diese Raketen weiter als die von der UN erlaubten 150 Kilometer reichen. Zur Fatah-Rakete benötigen die Waffeninspekteure noch genauere Angaben, um zu einer Einschätzung zu kommen. Auch die nach irakischen Angaben zum Teil rekonstruierten Testgelände für diese Systeme, die auch zur Herstellung von Raketentriebwerken genutzt werden können, sind verboten.
Die Interviews ohne Aufpasser mit bislang drei irakischen Experten bezeichnete Blix als "sehr informativ". Die UN-Inspekteure fordern weitere Interviews ohne Mitschnitte und Aufpasser.
Die IAEA geht neuen Informationen nach, denen zufolge Irak nach 1998 Uran importiert haben könnte. Bagdad bestreitet dies. Ob Komponenten zur Urananreicherung importiert werden sollten, muss ebenfalls noch geprüft werden.
Die von US-Außenminister Colin Powell vor zehn Tagen vorgelegten Erkenntnisse seien kein Beweis für eine bewusste Täuschung der Inspekteure, sagte Blix. Aufnahmen von der Verlagerung von Munitionen in einem irakischen Depot, das mit Inspektionen rechnen konnte, hätten auch Routine sein können. (AFP/roe)