Mai keinen Nachfolger für Bischof Wolfgang Huber findet, ist genauso möglich. Denn nachdem sich Rüdiger Sachau, Johanna Haberer und Markus Dröge an den letzten drei Sonntagen mit jeweils einem Gottesdienst und einem Vortrag zum landeskirchlichen Impulspapier "Salz der Erde" in der Berliner Marienkirche ihren Wählern präsentierten, ist noch kein wirklicher Vorentscheid gefallen.Bildhaft und lebendigDie bei weitem beste Predigt hielt wohl Rüdiger Sachau, der Direktor der Evangelischen Akademie Berlin. Bildhaft und lebendig, so wird er seinen Zuhörern in Erinnerung bleiben. Als er vor drei Wochen die mit triumphierenden Trompetenengeln geschmückte Kanzel der Berliner Bischofskirche betrat, nahm er sein Publikum mit ans Lagerfeuer. Sein Predigtthema waren die im Evangelium geschilderten "bösen Weingärtner", die ihrem Herren die Pacht nicht bezahlen wollten, und seine Boten erschlugen. Für Sachau war das ein Gleichnis für das Verhältnis der Menschen zu Gott: Auf seine Gnade können die Menschen vertrauen, selbst wenn sie seine Boten erschlagen. Im anschließenden Vortrag plädierte der als Direktor der Evangelischen Akademie Berlin bereits gut mit der Region vertraute Theologe für ein besseres Verhältnis von Stadt und Land: Er könne sich Pilgerwege durch die ganze Landeskirche vorstellen, mit deren Hilfe sich die Gemeinden aus Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz gegenseitig besuchen und von einander lernen können. Wesentlich intensiver freilich setzte sich der Koblenzer Superintendent Markus Dröge mit dem landeskirchlichen Impulspapier auseinander: Als einziger Kandidat vermittelte er den Eindruck, das Papier wirklich durchgearbeitet zu haben, immer wieder zitierte er daraus. Der Theologe will den Reformprozess der Landeskirche "stabilisieren und konsolidieren", doch im Impulspapier "Salz der Erde" vermisse er Diakonie und Ökumene. Vor allem aber sprach er vielen Kritikern von Landesbischof Wolfgang Huber aus dem Herzen, als er für eine Form der Kirchenleitung eintrat, die nicht von oben herab geschieht, sondern "durch glaubwürdige Positionen die Menschen überzeugt." Seine Predigt hingegen wirkte auf viele Zuhörer eher durchschnittlich. Applaus und AblehnungViel Applaus, aber auch viel Ablehnung erhielt die einzige Frau im Wettbewerb um die Nachfolge, die Erlanger Professorin Johanna Haberer. Sie präsentierte sich als klare Großstadt-Kandidatin. Auf die Situation der Kirche in Brandenburg ging sie nicht ein, ebenso wenig wie auf das landeskirchliche Impulspapier, obwohl das Teil der Aufgabenstellung war. Es sei "unseriös", wenn sie als Außenstehende die jahrelange Arbeit von Menschen in der Landeskirche nun bewerten solle, sagte Haberer. Stattdessen erklärte sie, wie sie sich die Kirche vorstellt: Als "Agentur für Ethik und Moral", die für die "Marktverlierer" eintritt, und "Wärme in einer sich abkühlenden Gesellschaft" verbreitet.