wirklich nach nur 33 Tagen im Amt wegen seiner Herzprobleme? Oder haben finstere Kräfte nachgeholfen, weil der Mann, der am 17. Oktober vor 100 Jahren als Albino Luciani zur Welt kam, bösen Machenschaften im Vatikan auf der Spur war?

Jahrhundertelang war der Vatikan eine machtvolle Institution. Päpste standen für Prunk und Pracht. Schon das II. Vatikanische Konzil, das vor 50 Jahren begann, brach diese verkrusteten Strukturen auf. Der freundliche Albino Luciani mit der schlichten Brille schien für genau diese erneuerte Kirche zu stehen: Bescheidenheit statt Pomp. Güte statt Strenge. Transparenz statt Machtfülle. Albino Luciani war der Papst, der lächelte.

Was wäre gewesen, wenn er nicht schon am 28. September 1978 gestorben wäre? Wohin hätte sich die katholische Kirche entwickelt? Johannes Paul I. hat kein Programm veröffentlicht. Er hat keine Heiligsprechung in die Wege geleitet, kein Lehrschreiben verfasst. Er hat den Willen zu mutigen Veränderungen angedeutet, er hat sich abgesetzt von den Ränkespielen in der Kirchenhierarchie. Luciani, der Patriarch von Venedig, ging nicht als Favorit in die Papstwahl nach dem Tod von Paul VI. Er wolle versuchen, der Kirche zu dienen. "Ich hoffe, Sie helfen mir mit Ihrem Gebet."

Der Tod kam am 28. September in der Nacht. Offiziell heißt es: Herzinfarkt. Die Last des Amtes. Aber stimmt das? Der Papst sei umgebracht worden, weil er die Kurie reformieren wollte, weil er aufräumen wollte mit den dunklen Geschäften der Vatikanbank, hieß es vielfach. Auch von umfassenden Reformplänen für die katholische Kirche war die Rede. Beweise für ein Verbrechen fehlen bis heute. Menschen, die an einen Mord glauben, weisen aber darauf hin, dass es keine Obduktion gegeben hatte und dass einige Gegenstände aus dem Umfeld des Papstes verschwunden waren.

Nach dem Tod von Albino Luciani mussten die Kardinäle aus aller Welt zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres nach Rom kommen. Sie wählten erstmals seit Jahrhunderten einen Nicht-Italiener zum Kirchenoberhaupt: Karol Wojtyla aus Polen.