So herrscht in den Schul-Stunden, so der "Schul-Tüv", oft noch immer der traditionelle Frontalunterricht vor. Lehrer gehen zu wenig auf die einzelnen Schüler ein und wenden zu selten aktivierende, das eigenständige Lernen fördernde Methoden wie Partner- und Gruppenarbeit an. "Selbstständiges Problemlösen kommt zu kurz", sagte Jungkamp. "Wenn man jahrelang unterrichtet, entwickelt man Routinen. Es ist schwer, sie zu verändern." Dazu passe, dass die Qualität des Unterrichts an den Schulen zu wenig hinterfragt und zu selten überprüft werde. Dies setze eine Verständigung der Lehrer voraus, "was guter Unterricht ist". Jungkamp betonte, dass diese Defizite in allen Schultypen, ob Grund-, Ober- und Gesamtschulen oder Gymnasien, ermittelt wurden. Zugleich warnte er vor Lehrerschelte und voreiligen Rückschlüssen - etwa, dass Ursachen darin liegen könnten, dass 80 Prozent der Brandenburger Lehrer bereits zu DDR-Zeiten an Schulen tätig waren. In Berlin oder Hessen komme man zu ähnlichen Befunden, sagte Hans-Jürgen Kuhn, Referatsleiter für Qualitätsentwicklung im Bildungsministerium. "Es ist kein Ost-West-Problem. Es ist ein deutsches Problem."
Dabei hat Brandenburg die Leistungsanforderungen an Schulen - Stichworte sind 10.Klasse-Prüfungen, Zentralabitur, landesweite Vergleichsarbeiten - seit dem miserablen Abschneiden bei der Pisa-Studie im Jahr 2002 deutlich erhöht. Damals belegte das Land bundesweit nur den vorletzten Platz. Der "Schul-Tüv" zeigt aber auch Stärken der Brandenburger Schulen. Sie liegen danach vor allem in der Zufriedenheit von Lehrern, Eltern und Schülern mit den Schulen, was ein Indiz für das Lernklima ist, aber auch in der geringen Zahl von Schwänzern, in transparenten, klaren Leistungsanforderungen und der Organisation des Schulbetriebs.
Jungkamp kündigte an, dass der "Schul-Tüv" ausgeweitet werden soll - als Hilfe, den Unterricht zu verbessern. Ziel sei es, dass jede Brandenburger Schule alle vier Jahre von einem Team - meist ein Schulrat und zwei speziell ausgebildete Lehrer - untersucht wird, so Jungkamp. Die Kosten betragen 1,32 Millionen Euro pro Jahr. Jede Schule erhält einen Abschluss-Bericht zur Visitation, ein Zeugnis, mit dem unterschiedlich umgegangen wird: Jede dritte Schule will es veröffentlichen, jede dritte nicht, der Rest ist unentschlossen.