Der 47-Jährige hatte, wie erst kürzlich öffentlich bekannt wurde, im Juni bei einer Parteiveranstaltung mit Bezug auf den Umgang Deutschlands mit der Vergangenheit vor einem "Schuldkult" gewarnt. Zudem bezeichnete er die einstige rot-grüne Bundesregierung als "Multi-Kulti-Schwuchteln", von denen Deutschland nie wieder regiert werden dürften.Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer nannte den Rücktritt am Freitag "eine Form der Konsequenz, die kaum noch zu überbieten ist". Das Präsidium des CDU-Landesvorstandes wird sich am Samstag mit dem Fall beschäftigen. Die Opposition im sächsischen Landtag hatte schärfere Konsequenzen gefordert.

Nitzsche hatte nach Bekanntwerden des Vorfalls vom Juni kürzlich sein Bedauern geäußert und von einem Missverständnis gesprochen. Er erklärte "ausdrücklich, dass ich mich von jeglichem rechtsradikalen Gedankengut distanziere". Sachsens CDU-Landesvorsitzender und Ministerpräsident Georg Milbradt sowie Kretschmer hatten ihm bei nochmaligen rechtslastigen Aussagen mit Parteiausschluss gedroht.

Der Zentralrat der Juden sowie Vertreter von SPD und Grünen hatten von der CDU scharfe Sanktionen bis zum Parteiausschluss von Nitzschen verlangt. Die Linkspartei hatte Milbradt aufgefordert, Nitzsche zur Niederlegung des Bundestagsmandats zu bewegen.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), forderte die CDU auf, Nitzsche für die nächste Bundestagswahl nicht mehr als Kandidat aufzustellen. "Wenn die CDU gut beraten ist, dann wird sie ihn nicht wieder kandidieren lassen", sagte Edathy. , der seit 2002 im Bundestag sitzt, war schon früher mehrfach wegen umstrittener Äußerungen aufgefallen. Zuletzt zog er 2005 mit der bei Rechtsextremen beliebten Parole "Arbeit, Familie, Vaterland" in den Wahlkampf. 2003 sorgte er für negative Schlagzeilen, als er in einem Vortrag über Zuwanderung vom "letzten Ali aus der letzten Moschee" sprach und sagte, eher würde einem Muslim "die Hand abfaulen", als dass er CDU wähle.

Die Landeschefin der Linkspartei.PDS, Cornelia Ernst, forderte ebenfalls, Nitzsche müsse sein Bundestagsmandat niederlegen. "So jemand gehört nicht in das Parlament". Er stelle sich mit seinen Äußerungen in den Windschatten der rechtsextremen NPD. Die CDU sollte den Mut aufbringen, sich von ihm zu trennen.

Auch nach Ansicht des SPD-Landtagsabgeordneten Nolle reicht der Rücktritt Nitzsches nicht aus. Die CDU müsse sich zur Bewahrung ihrer eigenen Glaubwürdigkeit von diesem Mann trennen, sagte er. In der Union als demokratischer Volkspartei dürfe kein Platz für jemanden sein, der seiner Auffassung zufolge ganz offensichtlich der Leugnung des Holocausts Vorschub leiste.

Nitzsche