Die Zeitung beruft sich auf ein Papier, das Bahn-Vorstand Rüdiger Grube dem Bundesverkehrsausschuss vorgelegt hat. Aus ihm gehe hervor, dass dem Konzern bis 2025 jährlich 1,8 Milliarden Euro fehlen, um die Projekte zu realisieren. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage geben Deutsche Bahn und Bundesverkehrsministerium für die Lausitz jedoch teilweise Entwarnung. Für den Ausbau der Strecken Berlin-Görlitz und Berlin-Dresden sowie für die BBI-Gleisanbindung seien zwischen Bahn und Bund bereits Finanzierungsabkommen abgeschlossen worden. Die Umsetzung aller drei Projekte in dem bisher vorgesehenen Zeitrahmen sei "mit größter Wahrscheinlichkeit" gesichert, so ein Bahn-Sprecher.Anders verhalte es sich mit dem zweigleisigen Ausbau der 50 Kilometer langen Gütertransportstrecke von Knappenrode (Landkreis Bautzen) bis Horka (Landkreis Görlitz). Für das 380 Millionen-Euro-Projekt sei die Finanzierung noch nicht gesichert, so der Bahnsprecher weiter. Ob es dazu kommt, hänge vom neu bemessenen Finanzbudget für das Verkehrsministerium ab, bestätigt ein Sprecher dieses Ministeriums. Es sei abzuwarten, bis im März der Bundeshaushalt beschlossen ist. Danach käme jedes Noch-Bedarfsplan-Projekt ohne Finanzierungsabkommen erneut auf den Prüfstand. Verkehrslast und wirtschaftlicher Nutzen der Strecken würden neu bewertet.Die Bahn hatte den Nutzen der Niederschlesien-Magistrale bisher darin gesehen, die Kapazität des internationalen Güterverkehrskorridors Berlin-Dresden-Wroclaw-Kiew deutlich zu erhöhen. Innerhalb der EU soll sie den Ost-West-Verkehr verbessern, zugleich die Elektrifizierungslücke zwischen Deutschland und Polen schließen. Für Ulrich Mölke, Bahn-Projektleiter Sachsen Ost, ist der Nutzen der Magistrale nach wie vor offensichtlich. Er lasse sich von keiner "Streichliste" irritieren und geht davon aus, dass die Strecke bis 2013 fertig ist.Lutz Grohmann, Chef einer Bürgerinitiative gegen den Streckenausbau aus Klitten (Landkreis Görlitz), ist sich da nicht so sicher: "Erst sollten die Planungsunterlagen Ende 2009 ausliegen, dann im März." Wegen des befürchteten Lärms einer stärker befahrenen ausgebauten Strecke freuen sich Grohmann und seine Initiative über jeden Tag, den der Ausbau auf sich warten lässt.In den Lausitzer Industrie- und Handelskammern (IHK) wird auf die Folgen für die Wirtschaft hingewiesen, sollte sich der Ausbau auf unbestimmte Zeit verzögern. Finden Firmen keine gut ausgebaute Infrastruktur vor, können sie die Produktion verlagern, so Lars Fiehler von der IHK Dresden. Wolfgang Krüger, Chef der IHK Cottbus, weist auf erbrachte Vorleistungen der polnischen Seite hin. Verschiebt die Bahn den Ausbau, signalisiere sie, nicht an die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu glauben.