Irgendwo feiert ein Mann gerade eine Riesenparty: Cees H., wegen seiner geringen Größe "Knirps" genannt, genießt seine Millionen und wohl auch die Schlagzeilen aus seiner Heimat, den Niederlanden. Ausgerechnet die Männer, die zu Hause für Recht und Ordnung stehen, müssen nun seinetwegen büßen. Justizminister Ivo Opstelten und sein Staatssekretär Fred Teeven traten am Montagabend wegen eines Millionen-Deals mit dem ehemaligen Drogenboss zurück.

Die bizarre Geschichte beginnt in den 1990er Jahren in Amsterdam. Cees H. hatte ein Vermögen mit internationalem Drogenhandel verdient. Pech für ihn - er wurde geschnappt und sein Geld auf schwarzen Konten in Belgien und Luxemburg beschlagnahmt.

Doch nach dem Gefängnis wartete auf ihn ein warmes Polster. Die Millionen waren blütenrein gewaschen, und Cees H. musste keinen Cent Steuern zahlen - dank der Amsterdamer Justiz. "Ich genieße noch jeden Tag mein Geld", hatte Cees H. einem Journalisten kürzlich freundlich in den Block diktiert.

Den Genuss verdankt er Ex-Staatssekretär Fred Teeven. Der hatte 2001 als Staatsanwalt in Amsterdam den Deal geschlossen. Ausgerechnet der Mann, der Cees H. hinter Gitter brachte, fällt nun tief.

Die Niederländer sind fassungslos, schockiert und vor allem total verwirrt. Was war das für ein Deal? Die Idee klingt plausibel. Die Justiz wollte nicht nur Verbrecher hinter Gitter bringen, sondern ihnen auch das Geld abnehmen. Um weniger als eine Million Euro sollte es im Fall von Cees H. gehen. Doch das Verfahren, um das schmutzige Drogen-Geld endgültig zu konfiszieren, war langwierig. Daher kam es zu dem Deal.

Der Kriminelle sollte dem Staat gut ein Drittel der Summe überlassen, die restlichen zwei Drittel wurden an ihn zurücküberwiesen - auf ein blütenreines und neutrales Konto in den Niederlanden. Teeven versprach totales Stillschweigen auch gegenüber den Steuerbehörden.

Das ging bis zum vergangenen Jahr gut. Dann deckte das TV-Magazin Nieuwsuur den Deal auf. Und es ging um viel mehr Geld, nämlich um mehr als 2,2 Millionen Euro. Das aber wiesen Minister und Staatssekretär weit von sich. Das Problem war nur: Im gesamten Justizapparat des Königreiches war die Quittung für die an Cees H. bezahlte Summe nicht mehr auffindbar.

Bis zur vergangenen Woche. Das TV-Magazin lieferte Beweise. Die Rücktritte waren nun unvermeidlich. Der Grund aber war nicht der mehr als zweifelhafte Deal. Der Minister musste gehen, weil er das Parlament falsch informiert hatte. Und auch der Staatssekretär war nicht mehr tragbar.

Nach Ansicht führender Juristen hat sich die Justiz der Geldwäsche und des Steuerbetrugs schuldig gemacht. Das weisen die beiden Verfechter von Recht und Ordnung weit von sich. "Ich habe das für Volk und Vaterland getan", erklärte Teeven Montagnacht. Dass er damit ausgerechnet die Parole der niederländischen Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg zitierte, war wohl keine Absicht.

Die Rücktritte haben auch politische Folgen. Der Ex-Minister und sein Staatssekretär wurden die "Pittbulls des Binnenhofs" - des Den Haager Regierungszentrums - genannt. Sie kannten mit Gesetzesbrechern keine Gnade. Für die rechtsliberale Partei von Ministerpräsident Mark Rutte waren sie auch eine Geheimwaffe gegen den Rechtspopulisten Geert Wilders und seine Forderungen nach hartem Durchgreifen.

Die Regierungspartei VVD fürchtet nun die Quittung bei der Wahl der Provinzparlamente am 18. März. Die Abstimmung gilt als Test für die große Koalition, und nach den Umfragen drohen den Rechtsliberalen und Sozialdemokraten herbe Verluste.

Die Debatte um die politischen Folgen, die Moral in der Politik und das Wirrwarr an Zahlen verdeckt aber die Frage, worum es eigentlich bei diesem Deal ging. Was war wirklich die Gegenleistung des Drogenbarons Cees H.? Denn die Summe, die er zahlen musste, ist Peanuts im Vergleich zu seinen nun steuerfreien Millionen. Für die TV-Journalisten, die die Affäre aufdeckten, weisen die Indizien in eine Richtung: Cees H. wurde für Informationen gegen einen anderen Drogenboss bezahlt. Johan V. alias "Der Stotterer" und Chef der berüchtigten Octopus-Bande. Aber das ist eine andere Geschichte.