Und zumindest das Steuerrad passt auch zu dem früheren Landwirtschaftsminister und SPD-Fraktionsvorsitzenden, der seit 2004 als Präsident die Plenardebatten des Potsdamer Landtags lenkt und am heutigen Freitag seinen 70. Geburtstag feiert.

Ruhig und unaufgeregt behält der passionierte Bergwanderer den Überblick im Plenarsaal, nie um eine Pointe verlegen. Nur die Präsenz rechtsradikaler Abgeordneter, die in den vergangenen beiden Legislaturperioden im Landtag Platz nahmen, war ein Tiefschlag für Fritsch. "Ich hätte gerne auf die DVU im Parlament verzichtet", sagt der Landtagspräsident.

Dass in der aktuellen Legislaturperiode keine einzige der drei rechten Parteien, die zur Wahl angetreten waren, den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffte, zeigt laut Fritsch, dass die Bemühungen im Kampf gegen den Rechtsextremismus in Brandenburg auf einem guten Weg seien.

"Von No-go-Areas, von denen man noch in den 1990er-Jahren in Brandenburg sprach, kann keine Rede mehr sein." Skeptisch sieht Fritsch dagegen das immer wieder einmal vorgeschlagene NPD-Verbot. "Die NPD ist nur eine Organisationsform der Rechtsextremen", so Fritsch. "Wenn wir sie verbieten, wird es deswegen nicht einen Rechtsradikalen weniger in Deutschland geben." Das Engagement gegen den Rechtsextremismus hängt für den Landtagspräsidenten auch mit der eigenen Heimat zusammen: Von 1990 bis 1997 war Gunter Fritsch Landrat des Kreises Märkisch Oderland.

Die Aufmärsche ewig Gestriger am Soldatenfriedhof Halbe unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung erlebte er aus erster Hand. Umso wichtiger ist ihm, der zu DDR-Zeiten als evangelischer Christ den Wehrdienst verweigerte und als "nicht systemkonform" zeitweilig im Cottbuser Gefängnis einsaß, heute das politische Engagement im Land.

"88 Abgeordnete eines Landtages können aus eigener Kraft die Welt nicht retten, wenn es ihnen nicht gelingt, die Einwohner dieses Landes zu motivieren, ihre Kräfte zu wecken, ihre Potenziale voll auszuschöpfen und einzubringen", sagte Fritsch schon 2004, in seiner ersten Rede als Parlamentspräsident, als er zumindest protokollarisch noch vor dem Ministerpräsidenten der erste Mann im Lande wurde.

Künftig werden die Einwohner und Besucher Potsdams jedenfalls die Arbeit ihrer Volksvertreter ein ganzes Stück deutlicher wahrnehmen: Mit dem Neubau des Stadtschlosses zieht das Parlament vom eher versteckt gelegenen Brauhausberg in die Mitte. Auch dafür zeichnet Gunter Fritsch in großen Teilen mitverantwortlich: Für den Landtagspräsidenten ist der Umzug des Parlaments Teil einer Tradition - denn schon zu Zeiten der Weimarer Republik hatte die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung im alten Schloss getagt und aus der einstigen Residenz einen Ort der Demokratie gemacht.