Es ist schon bitter: Monatelanges Engagement wird durch Diebe relativiert, Arbeiten an einem neuen Domizil durch einen nächtlichen Beutezug gestoppt. So erging es dem Budosportverein Schwarzheide. Aus der Sporthalle eines ehemaligen Gymnasiums wollen sie eine neue Trainingsstätte machen. Doch Ende September klauten Buntmetalldiebe mehr als eine Tonne Elektrokabel, darunter mehrere Rollen Kupferkabel. Schaden für den Verein: 2000 Euro. "Um Mitternacht haben wir die Baustelle letztmalig kontrolliert", sagt Vereinsvorsitzender Volker Kurze. Der Eingangsbereich war verbarrikadiert und verriegelt - eigentlich sicher. Doch die Diebe haben es geschafft, Teile der Eisentüren zu entfernen, waren eingestiegen. Das Projekt der 140 Vereinsmitglieder, darunter 100 Kinder, steht in der Schwebe.

"Weiße Ware" im Fokus

Auch der Abfallverband "Schwarze Elster" ist betroffen - Buntmetalldiebe klauen in Kolonnen den Sperrmüll. Laut Verbandsvorsteher Bernd Frosch haben es die Ganoven auf die "weiße Ware" abgesehen, Waschmaschinen und Kühlschränke, die sie ausschlachten. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat den stärksten Anstieg, ist Spitzenreiter im Süden Brandenburgs - 2013 wurde bereits 132-mal der Diebstahl von Buntmetall angezeigt (Vorjahreszeitraum: 91). Doch nicht nur in OSL haben Kupferdiebe Schaden angerichtet. Die Fallzahlen steigen wieder. Polizeisprecherin Ines Filohn: "Das hängt mit den Weltmarktpreisen zusammen." Kupfer bringt mehr als 7200 US Dollar pro Tonne ein, auch bei Blei, Nickel und Zink geht die Tendenz nach oben. Bislang wurden im Südbrandenburg 2013 schon 455 Fälle von Buntmetalldiebstahl angezeigt. Im Jahr 2012 waren es bis September 423 Fälle.
Was auffällt: "Die Diebe machen vor nichts halt, selbst Kunstwerke nehmen sie mit, buddeln frischverlegte Erdkabel aus", sagt Filohn. Am Kiebitz in Falkenberg haben sie Bronze-Schweine mitgehen lassen. Die schweren Kolosse wurden vom Sockel abmontiert, vermutlich mit technischen Hilfsmitteln wegtransportiert. Seit 25 Jahren waren die Skulpturen bildprägend auf der Promenade des Ausflugsziels.In Guben hatten Diebe die Wilhelm-Pieck-Büste im vergangenen Jahr geklaut, in Weißwasser eine Gedenktafel vom Friedhof.

Auch in Cottbus verschwand Kunst. Im Blechen-Park haben Langfinger erst im August wertvolle Bronzefiguren mitgehen lassen. Das "Liebespaar unterm Schirm" ist bereits die zweite Skulptur, die aus dem Park geklaut wurde. Die Ganoven haben die etwa einen Meter hohe Bronzefigur vom Betonsockel abgesägt. Filohn: "Die müssen doch den Schrotthändlern auffallen." Dabei machen sich die Geschäftsleute auch strafbar, wenn sie die Beute annehmen. Sie könnten wegen Hehlerei angeklagt werden. Dass Diebe nicht auf Kunst, sondern Bunt- und Edelmetalle abfahren, beweisen die Zahlen. In Cottbus wurde der Polizei in diesem Jahr schon 29-mal der Diebstahl von Buntmetall angezeigt (Vorjahreszeitraum: 31). Ende 2012 waren Ganoven in mehreren öffentlichen Einrichtungen der Stadt unterwegs, haben verchromte Messing-Siphons unter den Waschbecken abgeschraubt.

In Kölsa bei Falkenberg haben Diebe im Juni zugeschlagen, von einer Baustelle 500 Meter Starkstromkabel geklaut. Die Baufirma beklagt einen Schaden von 15 000 Euro. Polizeisprecherin Ines Filohn: "Die Diebe nehmen keine Rücksicht, selbst nicht auf ihr eigenes Leben, wenn sie von Bahnstrecken Kabel verschwinden lassen."

Kirchengemeinde unversichert

Nicht einmal die Kirche ist ihnen heilig. Während in Falkenberg Schweineskulpturen stibitzt wurden, hat es in Großthiemig nun die Kirchgemeinde getroffen. "Wir möchten darüber informieren, dass im Zeitraum vom 27. September bis 5. Oktober unsere Kirche bestohlen wurde", verkündet Christian Tschirner, der stellvertretende Gemeindekirchenratsvorsitzende. Neben vier Metern Fallrohr aus Kupfer haben die Diebe auch noch sechs Meter Blitzableiter mitgehen lassen. Ärgerlich: "Der Schaden ist nicht über die Versicherung abgedeckt, sodass durch die Tat die Kirchengemeinde finanziell geschädigt wurde", sagt Tschirner erbost.
Massen hingegen hat wieder die Figur der hässlichen Frau auf dem Dorfanger - nicht aus Bronze, sondern aus zehn Zentimeter dickem Stahlblech und zweidimensional. In einer Novembernacht 2012 wurde das Original geklaut. Noch überlegt die Gemeinde, ob sie die dreidimensionale Plastik neu gießen lässt - diesmal aus einem anderen Gemisch. Kosten: 6000 Euro. Spenden werden dafür schon gesammelt.

Doch nicht ausländische Banden sind in der Region auf Beutejagd - in Elbe-Elster beispielsweise sind laut Polizei nur fünf Prozent der Tatverdächtigen nichtdeutsche.

Auch in Sachsen geht die Anzahl der Diebstähle von Buntmetall aller Art steil nach oben. So stieg deren Zahl laut Landeskriminalamt (LKA) zwischen 2009 und 2011 von 1100 auf 5500 Fälle. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei landesweit 223 Buntmetalldiebstähle auf Friedhöfen. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage hervor. Gut jeder zehnte Fall konnte aufgeklärt werden. 29 Tatverdächtige wurden gefasst. Der Schaden betrug insgesamt fast 220 000 Euro. Geklaut werden auch zwischen Vogtland und Sächsischer Schweiz vor allem Rohre an älteren Gebäuden, Bronzeplastiken und -schmuck.

Markiert mit künstlicher DNA

Um Diebe abzuschrecken, setzen einige Unternehmen wie die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) auf künstliche DNA. Damit werden Kabel und sonstige Metallteile markiert.
Zum Thema:
Von Januar bis September 2013 sind in Cottbus bereits 29 Fälle (Vorjahreszeitraum: 31) bekannt, in Spremberg 104 Fälle (VZ: 117), in Elbe Elster 108 (VZ: 114), in Dahme-Spreewald 82 Fälle (VZ: 70) und in Oberspreewald-Lausitz 132 (VZ: 91). In der Statistik sind starke Schwankungen zu sehen. Im Jahr 2008 waren noch 448 Buntmetalldiebstähle für Südbrandenburg gemeldet worden, 2009 nur 157, 2010 waren es wieder 304 Fälle. Vor zwei Jahren kletterten die Fälle auf 581, 2012 auf 584. In diesem Jahr sind es bereits 455.