Zum Beispiel am Donnerstag in Eisenhüttenstadt: Als der Ministerpräsident einem Fernsehteam ein Interview gab, kletterte die Kamerafrau kurzerhand auf eine mitgebrachte Trittleiter, um auf Augenhöhe mit dem Ministerpräsidenten zu sein - was in Potsdam sonst nur noch die Mitglieder der Traditionsgarde "Lange Kerls" problemlos schaffen. Aber nichts geht eben über gute Bilder.

Was auch die Mitarbeiter in der Pressestelle des Polizeipräsidiums wissen. Dort fand bekanntlich am Mittwoch eine Pressekonferenz statt, bei der die Öffentlichkeit über die Einsetzung einer Untersuchungsgruppe zu den rechtsradikalen Umtrieben von Uckermärker Polizisten informiert wurde. Extra für das Fernsehen wurden die Konferenzgetränke abgeräumt - es sieht ja wirklich etwas blöd aus, wenn vor dem Polizeipräsidenten und mitten im Bild eine Flasche Apfel-Birnen-Schorle steht. Doch was sollte die blaue Plane da? Vorn am Tisch, direkt vor dem Platz von Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke, hing sie herab und reichte bis auf den Fußboden. "Das ist der Sichtschutz", erklärte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Rudi Sonntag. Sonst würde man ja im Fernsehen sehen, wie die Referenten auf dem Podium ihre Füße bewegten. Es sollten ja schließlich gute Bilder im Fernsehen zu sehen sein.

Bedauerlich ist es nur, wenn Bilder, die eigentlich gut wären, am Ende nicht gezeigt werden. So geschehen ist es beim Besuch von Woidke und Innenminister Thomas de Maizière in der Abschiebehaftanstalt in Eisenhüttenstadt. Innenaufnahmen waren nicht möglich. Vor Betreten des Gebäudes mussten Kameras ausgeschaltet und Fotoapparate beiseite gelegt werden. Zuweilen nämlich haben eben auch Politiker Angst vor allzu guten Bildern.