Nun will der außenpolitische Hardliner und Nationalist Shinzo Abe (58) die alte Schmach wettmachen. Der Parteichef der Liberaldemokratischen Partei LDP ist der erste Politiker seit 64 Jahren, der als Regierungschef eine zweite Chance erhält.

Die Rückkehr des Atombefürworters Abe zeigt, dass in der LDP das rechte Lager dominiert. Die LDP ist jene Partei, die Japan zum Schuldenstaat machte und verantwortlich ist für eine Atompolitik, bei der jahrzehntelang Sicherheitsfragen vernachlässigt wurden. Trotz Fukushima-Katastrophe hält die LDP weiter an der Atomkraft fest.

Kritikern gilt Abe als rechter Populist, der sein Fähnchen in den Wind hängt. Andere billigen ihm jedoch zu, pragmatisch zu handeln. Seine anfängliche Popularität in seiner ersten Amtszeit hatte sich Abe mit seiner harten Haltung gegenüber Nordkorea in der Frage der Entführung von Japanern in den 1970er- und 80er-Jahren erworben. Als Pjöngjang 2006 Raketen testete, regte Abe an, über einen Erstschlag gegen nordkoreanische Raketenbasen nachzudenken. Zu Beginn seiner damaligen Amtszeit hatte er zunächst eine Annäherung an China und Südkorea versucht, nachdem die Beziehungen zuvor stark gelitten hatten. Abe unterließ damals einen Besuch im umstrittenen Yasukuni-Schrein für Japans Kriegstote, in dem auch Kriegsverbrecher geehrt werden. Das bedauerte er jedoch später. Im Oktober 2012 besuchte er dann doch noch den Schrein.

Im Jahr 2007 hatte Abe für einen internationalen Aufschrei gesorgt, als er es ablehnte, die vom japanischen Militär im Zweiten Weltkrieg erzwungene Sexsklaverei anzuerkennen und sich dafür zu entschuldigen. Als Premier setzte er damals eine Erziehungsreform durch, um den Kindern wieder verstärkt Vaterlandsliebe zu vermitteln.