Dabei gilt eine Neuauflage der Großen Koalition als wahrscheinlich, Umfragen zufolge zeichnet sich jedoch ein knappes Ergebnis ab. Die größten Hoffnungen auf den Einzug ins Kanzleramt kann sich der Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ), Werner Faymann, machen. Beobachter gehen jedoch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Parteichef der konservativen Volkspartei (ÖVP), Wilhelm Molterer, aus. Profitieren dürften vor allem die Rechtspopulisten: Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) könnte vor den Grünen dritte Kraft im Land werden.

Die um zwei Jahre vorgezogene Neuwahl war nötig geworden, nachdem die große Koalition aus SPÖ und ÖVP Anfang Juli nach nur anderthalb Jahren zerbrochen war. Nach wochenlangen Querelen hatten unter anderem eine gescheiterte Reform der Krankenkassen und ein Alleingang der SPÖ zu Volksabstimmungen über künftige EU-Verträge zum Bruch der Koalition beigetragen. Das Ende der rot-schwarzen Koalition hatte Vizekanzler und ÖVP-Spitzenkandidat Molterer verkündet - mit den mittlerweile legendären Worten "Es reicht".

Faymann löste Gusenbauer abUmfragen sehen die SPÖ derzeit mit 27 bis 29 Prozent der Stimmen in Führung. Auch ihr Spitzenkandidat Faymann liegt auf der Beliebtheitskala der Kandidaten vorn. Der Verkehrsminister hatte den umstrittenen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bereits im Juni an der SPÖ-Parteispitze abgelöst, nachdem dieser auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte. Faymann hofft, die Wahl mit einem Programm gegen die Teuerung zu gewinnen, das unter anderem die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel vorsieht.

Molterer wenig charismatischDie Konservativen wollen inhaltlich vor allem mit einer neuen Familienbeihilfe punkten. Finanzminister Molterer gilt als nicht charismatisch genug, um sich gegen Faymann zu behaupten. Umfragen gehen von 26 Prozent für die ÖVP aus.

Inhaltlich wurde der Wahlkampf ohnehin von den Themen der Rechtspopulisten dominiert: Es ging um Einwanderung, drohende Islamisierung und die EU-Mitgliedschaft Österreichs, die die FPÖ aufkündigen will. Die Partei von Heinz-Christian Strache könnte damit drittstärkste Kraft im Land werden. Aktuellen Umfragen zufolge erreicht die FPÖ 17 bis 20 Prozent.

Die Grünen kommen demnach nur auf elf bis zwölf Prozent. Die Jörg-Haider-Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), die sich 2005 von der FPÖ abspaltete, kann auf sechs bis acht Prozent hoffen. Damit könnte auch sie die für den Einzug ins Parlament erforderliche Vier-Prozent-Hürde knacken.

Beobachter gehen daher von einer Neuauflage der rot-schwarzen Koalition aus. Eine Zusammenarbeit mit der FPÖ haben beide großen Parteien ausgeschlossen, andere Kombinationen bekommen vermutlich keine Mehrheit im Wiener Nationalrat. Der frühere ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete eine erneute Große Koalition zumindest als möglich. Mit einem "veränderten Stil und Team" komme die Fortsetzung der Zusammenarbeit "vielleicht" in Frage, sagte er.

Seit 2007 Große KoalitionDie Große Koalition aus SPÖ und ÖVP war seit Januar vergangenen Jahres im Amt. Die Sozialdemokraten waren bei der Parlamentswahl im Oktober 2006 knapp stärkste Partei geworden und hatten 68 der 183 Nationalratsmandate gewonnen, die ÖVP hatte 66 Sitze geholt. Grüne und FPÖ kamen mit jeweils 21 Abgeordneten ins Parlament, Haiders BZÖ holte sieben Mandate. Morgen können 6,3 Millionen Österreicher ihre Stimme abgeben. Da das Mindestalter herabgesetzt wurde, dürfen zum ersten Mal 16- und 17-Jährige mitwählen - ingesamt 183 000.