Im Januar soll ein neues Dienstsystem der Ärzte in den Inneren Kliniken und für die Notaufnahme des CTK gestartet werden. Zwei Internisten sollen dann jede Nacht in der Rettungsstelle in Bereitschaft sein, um medizinische Notfälle zu versorgen, kündigt Professor Hjalmar B. Steinhauer an. Seit Mitte Oktober ist der 61-jährige Chefarzt der II. Medizinischen Klinik für ein Jahr auch Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Bis dahin soll der Posten in dem Schwerpunktkrankenhaus hauptamtlich neu besetzt werden.

Genau vor einem Jahr war schon mal ein neues Dienstsystem in der Cottbuser Notaufnahme eingeführt worden: Schichtbetrieb mit weniger langen Dienstzeiten, aber auch mit weniger Geld. Weil es jedoch zu wenige Mediziner gab, die unter diesen Bedingungen arbeiten wollten, blieben Stellen unbesetzt. Ärzte aus den Inneren Kliniken und der Chirurgie mussten das ausgleichen. Das löste einen Aufruhr eines Teils der Ärzteschaft gegen Geschäftsführerin Heidrun Grünewald aus. Mehr als zehn Jahre hatte sie an der Spitze des CTK gestanden und für schwarze Zahlen in der Bilanz des kommunalen Krankenhauses gesorgt. Zweifel an ihrer Fachkompetenz wurden nie laut. Sie galt als bundesweit in Fachgremien gut vernetzt.

Ende August wurde sie jedoch beurlaubt und kurz darauf entlassen. Wenig später legte auch der Chefarzt der Kinderklinik, Thomas Erler, seine Funktion als Ärztlicher Direktor nieder.

An dem Schichtsystem in der Notaufnahme eskalierte ein größerer Konflikt, der offenbar schon lange schwelte. "Erzählt wurde viel, aber keiner hat dazu gestanden", sagt Holger Kelch (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender des CTK. Bei einer Belegschaftsversammlung im August sei das Fass dann übergelaufen: "Es gab dort erhebliche Kritik am Führungsstil von Frau Grünewald."

Ein Brief, unterzeichnet von zehn der 24 Chefärzte der Klinik, hatte Grünewalds Ablösung in Gang gebracht. Ein zweites Schreiben unterzeichnete jeder dritte Arzt des CTK. Mediziner, die dem überraschenden Führungswechsel kritisch gegenüberstehen, machen vor allem die Autorität einiger älterer Chefärzte dafür verantwortlich, dass so viele Ärzte mitzogen und Druck auf den Aufsichtsrat aufbauten, Grünewald zu entlassen.

Vor ihrer Abberufung war der Geschäftsführerin angeboten worden, nur für den kaufmännischen Bereich zuständig zu bleiben. Das lehnte sie ab.

"Es ist ein Aufatmen bei vielen in der Belegschaft spürbar", beobachtet Betriebsratschefin Angelika Herfarth. Das Krankenhaus wieder in ruhiges Fahrwasser zu bekommen, sei jedoch ein längerer Prozess: "Da kann man nicht einfach einen Schalter umlegen."

Optimistisch gibt sich auch der Ärztliche Direktor und Chefarzt Professor Hjalmar Steinhauer. Zwei Oberärzte in der 4. Medizinischen Klinik, die wegen des Streites um den Dienst in der Notaufnahme bereits gekündigt hatten, blieben in Cottbus. Es gebe auch Neueinstellungen von Ärzten. Wichtige Entscheidungen, so Steinhauer, treffe er gemeinsam mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Till Frohne. Frohne war als Prokurist für Personal im CTK seit vielen Jahren Grünewalds Stellvertreter.

Innerhalb eines Jahres soll es nun zunächst keine weiteren Änderungen in den ärztlichen Bereitschaftsdiensten der anderen Kliniken geben. "Das Arbeitszeitgesetz wird aber in jedem Fall eingehalten, nach 24 Stunden im Dienst gehen die Kollegen in jedem Fall nach Hause", versichert Steinhauer.

Aufsichtsratschef Holger Kelch kündigt an, dass noch einige juristische Fragen geklärt und dann die beiden neuen Führungsposten ausgeschrieben würden. Ein ärztlicher und ein kaufmännischer Geschäftsführer sollen das Klinikum künftig gemeinsam leiten. "In etwa einem Jahr", so Kelch, "werden wir Bilanz ziehen können, welche Auswirkungen das alles hatte."

Offen ist, wie die endgültige Trennung des CTK von der 59-jährigen Geschäftsführerin Heidrun Grünewald vonstattengehen wird. Erst Ende 2011 war ihr Vertrag für weitere fünf Jahre verlängert worden. Noch laufen Bemühungen zwischen ihren Anwälten und der Stadt um eine einvernehmliche Lösung.

Dabei dürfte es um eine erhebliche Abfindungssumme gehen. Kommt es zu keiner Einigung, wird Grünewald vermutlich ihr ausstehendes Gehalt aus dem Vertrag am Landgericht Cottbus einklagen. Heidrun Grünewald wollte sich zurzeit gegenüber der RUNDSCHAU nicht zu den Umständen ihres Ausscheidens und zu den Verhandlungen über die Vertragsbeendigung äußern.

Zum Thema:
Das CTK ist das größte Krankenhaus in der Lausitz und die einzige Schwerpunktklinik mit einem sehr breiten Fächerspektrum. Es ist eine gemeinnützige GmbH im Eigentum der Stadt.Am CTK arbeiten mehr als 2000 Mitarbeiter, davon mehr als 300 Ärzte. Das Haus verfügt über 1200 Betten.Im CTK werden jährlich rund 90 000 Patienten behandelt, die Hälfte davon stationär, die andere Hälfte ambulant. sim