Auch das bundesweit für Aufsehen sorgende XY-Verfahren um bandenmäßigen Drogenhandel klingt in der Stadt noch nach. „Die unglaublich korrupten Verflechtungen zogen sich bis zur Stadtverwaltung und der Polizei Neuruppins“ , sagt der ermittelnde Oberstaatsanwalt Frank Winter. Die Köpfe der Bande waren im vergangenen September wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.
Angesichts dieser Image schädigenden Vorfälle hat Neuruppin der Korruption den Kampf angesagt: "Diese Sachen haben tief gesessen, deswegen haben wir einen entschiedenen Schlussstrich gezogen und diverse Maßnahmen getroffen", äußert sich Bürgermeister Jens-Peter Golde. So gebe es in der Stadtverwaltung einen Antikorruptionsbeauftragten. Und in Dienstanweisungen an die Mitarbeiter heiße es „Null Toleranz“ . „Wir bekämpfen Korruption hier nicht allein, indem wir Kugelschreiber oder Konfekt beim Seniorenheim abgeben. Alle Spenden, Schenkungen oder Tombola-Gewinne werden beim Anti-Korruptionsbeauftragten erfasst und an gemeinnützige Träger verteilt“ , sagt Golde. Zudem seien alle Mitarbeiter angewiesen, dienstlichen Kontakt zu Auftragnehmern auf den Dienstverkehr zu beschränken. „Hier in Neuruppin gibt es hundertprozentig keine Korruption mehr“ , so das Stadtoberhaupt.
So ganz glauben wollen ihm dies einige Neuruppiner aber offenbar nicht. Das zumindest ist beispielsweise der Lokalpresse zu entnehmen. Und der Vorsitzende Richter im XY-Prozess, Gert Wegner, hatte in seiner Urteilsverkündung hart mit den Stadtvätern abgerechnet: „Ich hätte gehofft, dass das Verfahren diese Stadt verändert. Ich fürchte aber, dass dies nicht geschehen ist.“ Auch die Staatsanwaltschaft beobachtet die Entwicklung in der Stadt mit Skepsis. Zumindest hat sie neue Fälle auf dem Tisch, wenn auch die Taten nicht ganz frisch sein sollen. Im Visier: Der Geschäftsführer der Stadtwerke Neuruppin GmbH. Er soll unter anderem mehrere Jahre „pflichtwidrig und ohne Rechtsgrundlage“ vor allem den Sportverein MSV Neuruppin gesponsert haben. Bürgermeister Golde betont, dass in den Stadtwerken seit seinem Dienstantritt alles rechtens lief: „Neuruppin hat seine Lektion gelernt. Alles andere sind ungerechte Behauptungen.“
Zwar gingen das Verfahren um die XY-Bande und die Vorwürfe gegen Theel nicht spurlos an der Stadt vorbei. „Aber der befürchtete Einbruch im Tourismus ist ausgeblieben.“ Der Bürgermeister ist überzeugt: „Wir haben durch Leistung gegengesteuert.“ Dazu zählten die erfolgreiche 750-Jahr-Feier im vergangenen Jahr und ein „Städte-Oscar“ in Sachen Luft und Lärm. Aber wann wirklich alle Neuruppiner wieder daran glauben, dass es mit dem „Klein Palermo“ endgültig vorbei ist, scheint nicht wirklich absehbar.