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| 02:38 Uhr

Neuland für exotische Machbuba in Bad Muskau

Im Branitzer Schloss sind die wenigen Zeugnisse gesammelt, die an Machbuba erinnern: Bilder, eine Statue, ihre Totenmaske.
Im Branitzer Schloss sind die wenigen Zeugnisse gesammelt, die an Machbuba erinnern: Bilder, eine Statue, ihre Totenmaske. FOTO: Michael Helbig/mih1
Bad Muskau. In Pücklers Bergpark in Bad Muskau gibt es Neues. Dort soll künftig eine Ausstellung über die Nilreise des bekannten Gartenkünstlers und die Geschichte seiner Reisebegleiterin aus dem fernen Äthiopien erzählt werden. Miriam Schönbach

Cord Panning nennt es "Schlüsselprojekt". Der Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung in Bad Muskau hält einen Plan des Parks samt Neuem Schloss, Bad Muskau und der näheren Umgebung in der Hand. Mit dem Finger fährt auf einem Weg immer an der Neiße entlang. Dann stoppt sein Blick auf einem Areal an der Straße nach Krauschwitz. Dort liegt der Bergpark mit dem Hermannsbad.

In die Sanierung der Villen Bellevue und Pückler werden in diesem Jahr knapp drei Millionen Euro fließen. Doch das ist erst der erste Schritt zur Wiederbelebung dieser historischen Garten(kunst)landschaft.

Der Bergpark am westlichen Rand Bad Muskaus ist die kleine Schwester der großen Pückler-Landschaftsparks. Die rund 150 Jahre alten Buchen verraten nicht, dass hier zwischen 1573 bis in die 1860er-Jahre Alaun abgebaut wurde.

Das bittere Tonerdesalz wurde zum Gerben benötigt. Mit seiner maschinellen Herstellung verschwand der Tagebau. Stattdessen überlegte sich Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) aus dem von der Eiszeit gefalteten Gebiet ein Kurbad zu machen. "Er war begeistert von Marienbad, wo Goethe zur Kur hinfuhr. Er witterte das Geld. Wie alle seine wirtschaftlichen Unternehmen war es ein Schuss ins Leere", sagt Panning.

Aus diesem Grund seien die Gebäude "flüchtig und fragil" gebaut - eine Herausforderung für die jetzigen Bauherren. "Wir machen quasi einen chirurgischen Austausch von Fachwerk und Ziegeln", sagt Panning. Grundlage der Villa Pückler war ein früheres Bergbaugebäude, in dem es zu Pücklers Zeiten nicht mal einen Ofen gab. In diese Sanierung fließen 1,8 Millionen Euro, das Herrichten der Villa Bellevue kostet eine Million Euro.

Diese Arbeiten in Sachsens einzigem Welterbe sollen bis 2018 abgeschlossen sein. Insgesamt sind in die Sanierung von Schloss und Park des Gartenfürsten seit über 20 Jahren rund 25 Millionen Euro geflossen.

Doch wo einst in den herrschaftlichen Villen die Kurgäste beim eisenhaltigen Wasser der Hermannsquelle auf Wunder hofften, soll in Zukunft eine Ausstellung über Pücklers Ägyptenreise und vor allem die Geschichte seiner Reisebegleiterin Machbuba erzählt werden. Ein Bild, das in Schloss Branitz hängt, zeigt die exotische Schönheit mit Turban und traurigem Blick.

Den Lebensweg der schönen Fremden aus Abessinien, einem heutigen Teil Äthiopiens, die Fürst Pückler wohl im Mai 1837 als Sklavin kaufte, hat die promovierte Ethnologin Kerstin Volker-Saad erforscht.

"Machbuba war für ihn jedoch kein Subjekt, das er ausgebeutet hat." Stattdessen habe er sie als Naturkind beobachtet, sagt die Wissenschaftlerin. Sie ist vor zwei Jahren sowohl die Pückler-Route entlang des Nils im Sudan nachgereist. Genauso hat sie die ehemaligen Sklavenrouten mit lokalen Historikern aufgespürt.

Bei diesen Forschungen ging es ihr vor allem darum, das wahre Leben der Machbuba gegen die Fiktion zu setzen. Denn in Pücklers Reiseliteratur treffen zuweilen Fantasie und Wahrheit aufeinander. Aus vielen kleinen Puzzleteilchen der Recherche setzt sich so inzwischen für Volker-Saad ein neues Bild der Machbuba zusammen: "Sie war Informantin, eine Agentin zwischen seiner Kultur und ihrer Kultur. Sie hat seine Reise so reichhaltig gemacht."

Doch die Geschichte endete tragisch. Nach einem längeren Aufenthalt in Wien, wo der Fürst und die Fremde am Hof ein- und ausgingen - wie die Zeitungen seinerzeit berichteten - kam das ungleiche Paar im September 1840 nach Bad Muskau. Machbuba bezog die Rosenvilla, einen Steinwurf entfernt von der Villa Pückler. Sechs Wochen später, am 26. Oktober, starb das Mädchen an einem Unterleibsleiden. Beim Tod "seines Pflegekinds" - so nannte der Graf sie - war Pückler in Berlin.

Das Grab befindet sich heute immer noch auf dem Friedhof. "Das Schicksal der Machbuba zieht an. Es hat alles, was Muskau ausmacht: Es ist dramatisch, exotisch und international", sagt Panning.

Für den Bergpark würde mit dieser Ausstellung etwa ein eigener Anziehungspunkt entstehen. Derzeit arbeitet die Stiftung an der Finanzierung des Projekts.

Gleichzeitig geht der Blick schon weiter. "Die Wiederbelebung des historischen Pavillondörfchens wäre ein weiterer Schritt. Das ist eine Aufgabe für das nächste Jahrzehnt", sagt der Parkchef. Auf seinem Plan ist das Vorhaben bereits eingezeichnet.

Zum Thema:
Das Areal erstreckt sich über 830 Hektar. Um die Beete, Wiesen, majestätischen Bäume, Wege sowie Seen und Flüsse kümmern sich 25 Mitarbeiter. Für den Erhalt von Schloss und Park stehen rund vier Millionen Euro jährlich zur Verfügung, ein Großteil fließt in gärtnerische Maßnahmen. Der Bergpark am westlichen Rand Bad Muskaus ist die kleine Schwester der großen Pückler-Landschaftsparks.