Es seien meist ältere Leute, die bisher im Polizeischutzbereich im Oberspreewald-Lausitz-Kreis einen „Kleinen Waffenschein“ beantragt haben, sagt Hans-Jürgen Rapp. Er ist im Schutzbereich der zuständige Beamte für Waffenrechtsfragen. Etwa 50 Anträge gingen bisher über seinen Tisch. Für die Bearbeitung sind 50 Euro Gebühr fällig. Im benachbarten Schutzbereich Cottbus/Spree-Neiße wurden im April nicht mal 20 Anträge eingereicht.
In Sachsen sind die Ordnungsämter dafür zuständig. Doch auch dort ist die Nachfrage nach dem „Kleinen Waffenschein“ bisher sehr gering. Nur acht Anträge gingen bisher beim Leiter des Ordnungsamtes von Hoyerswerda, Georg Karwinkel, ein. Wie sinnvoll und wirksam die neue Regelung ist, werde sich nach einigen Monaten in der Polizeistatistik zeigen, sagt der Ordnungsamtschef. Er selbst möchte die neue Vorschrift noch nicht beurteilen: „Wir vertrauen da ganz auf den Sachverstand des Gesetzgebers.“

Zahl der Waffen ist unbekannt
Wie viele Gas- und Schreckschusspistolen in der Region vorhanden sind, weiß niemand. Wer jedoch solch eine Waffe „schuss- und zugriffsbereit“ in der Öffentlichkeit bei sich hat, braucht nach dem neuen Gesetz den „Kleinen Waffenschein“ . Jeder Händler muss seine Kunden beim Kauf darüber belehren und darüber Buch führen. In den Waffenläden der Region wird das als zusätzliche Beschäftigung ohne große Wirkung angesehen. In zwei bis drei Monaten verkaufe sie gerade mal eine solche Waffe, sagt Isabell Noack, Ladeninhaberin aus Guben: „Mit der neuen Vorschrift sollen die Leute beruhigt werden. Wenn jemand so einen Aussetzer hat wie da in Erfurt, dass hat doch mit Schreckschusspistolen gar nichts zu tun.“ Auch Peter Runge, Waffenverkäufer aus Elsterwerda, sieht in der Neuregelung wenig Sinn. Käufer würden nur verunsichert.
Der Senftenberger Polizist Hans-Jürgen Rapp ist optimistischer, was die Wirkung der Gesetzesänderung betrifft. Jeder Antragsteller würde auf Vorstrafen, speziell auch auf Gewaltdelikte, überprüft. Wer jetzt ohne Genehmigung mit einer schussbereiten Schreckschusspistole in der Hosentasche herumläuft, dessen Waffe könne nun eingezogen und ein Strafverfahren eingeleitet werden. Besorgt ist er darüber, dass Gas- und Schreckschusspistolen immer wieder in die Hände von Kindern gelangen. „Da nimmt jemand Opas Pistole mit in die Schule, weil er sich drangsaliert fühlt“ , beschreibt Rupp einen solchen Fall.
Betroffen von dem verschärften Waffengesetz sind jedoch nicht nur die Besitzer von Schreckschusspistolen, sondern auch Jäger und Sportschützen. Die Schützen fühlen sich durch die Neuregelungen gegenüber Jägern benachteiligt und in ihrer Sportausübung eingeschränkt. Besonderen Unmut und Unsicherheit verursacht die Tatsache, dass die Bundesländer zu dem neuen Gesetz Durchführungsverordnungen erlassen müssen. Die liegen aber noch nicht vor. „Wir befürchten, dass über diese Verordnungen weitere Einschränkungen vorgenommen werden“ , sagt Frank Kupfer, Präsident des Sächsischen Schützenbundes. Rainer Wickidal, sein Brandenburger Kollege, beklagt, dass wegen der fehlenden Verordnungen der Länder einige Entscheidungen zurzeit nicht getroffen werden könnten: „Da hängt jetzt einiges in der Luft.“ Der Landesschützenbund ist die Dachorganisation der Schützenvereine und -gilden eines Bundeslandes.
Besonders unzufrieden sind die Schützen damit, dass sie nun ihre Wettkampfordnungen von einer Bundesbehörde genehmigen lassen sollen. „Da entscheiden dann Laien, mit welcher Waffe wir welchen Wettkampf schießen dürfen“ , schimpft der sächsische Schützenchef Frank Kupfer, „das ist ein Eingriff in die Autonomie des Sports.“ Es könnte passieren, dass einige großkalibrige Waffenarten über diesen Weg verboten würden.
Unmut unter den Schützen verursacht auch die Festlegung, dass das Mindestalter für den Kauf einer Sportwaffe von 18 auf 21 Jahre hoch gesetzt wurde, Jungjäger aber schon mit 18 statt bisher mit 16 in den Waffenladen gehen dürfen. Das sei eine Ungleichbehandlung, beklagt Rainer Wickidal, Schützenpräsident in Brandenburg. Für den Besitz großkalibriger Waffen müssten Jungschützen zwischen 21 und 25 außerdem zum psychologischen Test. Für so einen „Idiotentest“ gebe es keine klaren Richtlinien, so Wickidal.
Einig sind sich die Schützen bei der Verschärfung der Aufbewahrungspflicht von Sportwaffen. Das da jetzt strengere Regelungen gelten und häufiger kontrolliert werden soll, finden sie gut. „Wir haben da eine Verantwortung gegenüber den Bürgern, eine scharfe Pistole darf nicht einfach im Nachttisch liegen“ , sagt Frank Kupfer. Er kritisiert jedoch, dass einige Regelungen nach dem Schulmassaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium überhastet und po-pulistisch nachgebessert worden seien.
Ob es durch die Neuregelungen mehr Sicherheit geben wird, werde sich erst erweisen müssen, sagt Brandenburgs Schützenbundpräsident Rainer Wickidal. „Sicher ist das alles in guter Absicht geschehen“ , sagt er, „doch uns Schützen wird das Leben schwer gemacht.“ Dabei seien nicht die legalen Waffen von Schützen und Jägern das Problem, sondern die illegalen. Davon sind in Deutschland schätzungsweise 20 Millionen in Umlauf, doppelt so viel wie registrierte Pistolen und Gewehre.

Auswirkungen auf Spielzeugläden
Die Auswirkungen des neuen Waffenrechtes reichen aber bis in die Spielzeugläden. Heinz-Peter Bischoff ist Präsident des Einzelhandelsverbands in Brandenburg und betreibt ein Spielzeuggeschäft in Forst. Er wurde kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass Spielzeugwaffen nur noch bis zu einer „Geschossbewegungsenergie unter 0,08 Joule“ frei verkauft werden dürfen. Um Geräte mit größerer Kraft zu kaufen, müsse man 18 Jahre alt sein. Der Händler braucht auch eine Lizenz als Waffenhändler. Heinz-Peter Bischoff ist ratlos: „Woher soll ich wissen, wie viel Geschosskraft jede Art von Spielzeugpistole hat.“

hintergrund Das neue Waffengesetz
  Das Mindestalter für den Erwerb scharfer Waffen wurde für Jäger und Sportschützen um jeweils zwei Jahre angehoben. Wer als Sportschütze eine Waffe kaufen will, muss zwölf statt bisher sechs Monate Mitglied in einem Schützenverein sein. Kinder dürfen erst mit zwölf statt bisher zehn Jahren im Verein mit scharfen Waffen schießen.
Wer erlaubnispflichtige oder verbotene Schusswaffen besitzt, kann diese bis zum 30.09.03 bei der Polizei abgeben. Er bleibt dann straffrei.
Verboten ist jetzt der Besitz von Wurfsternen, Butterfly- und Fallmessern. Faustmesser dürfen nur noch von Jägern und Kürschnern erworben und besessen werden.