Ein neues Toleranzedikt für Brandenburg - das ist es, was der Verein um den Schweizer Politikwissenschaftler Heinz Kleger fordert. "Am Edikt von Potsdam hat mir immer imponiert, dass es ein kühnes und durchdachtes Einladungsedikt zum war - genau zum richtigen Zeitpunkt", erklärt Kleger, der die Idee kürzlich schon einmal in Potsdam vorgestellt hat.

1685 bewies Brandenburg Größe und Weitsicht, als es der in Frankreich verfolgten Minderheit der Hugenotten nicht nur Religionsfreiheit gewährte, sondern auch zahlreiche praktische Privilegien vom Landerwerb bis zur Bezahlung eines Predigers. 20 000 kamen daraufhin in die Mark Brandenburg und halfen das Land nach dem 30-Jährigen Krieg wieder aufzubauen. "Genau diesen Geist des Toleranzedikts brauchen wir in diesen Tagen wieder: eine klare geistige Orientierung in Verbindung mit einem unaufgeregten kreativen Pragmatismus", erklärt Kleger, der an der Universität Potsdam Politikwissenschaften lehrt.

Den Pragmatismus haben viele Brandenburger schon gezeigt, indem sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will mit seinem "Bündnis für Brandenburg" weitere Unterstützung geben. Kleger und seine Mitstreiter sind dem Bündnis beigetreten, wollen aber mehr. Ein neues Toleranzedikt könnte ein Weg sein, um auch den Dialog mit den "weniger Toleranten" zu suchen und neue Bündnisse für ein Miteinander im Land zu knüpfen. Kleger spricht von "Traditionen", an die es anzuknüpfen gelte. Das Edikt von 1685 sei eine "Steilvorlage aus der Geschichte". Es würde zugleich ermöglichen, die seit Jahren gute Arbeit im Rahmen von "Tolerantes Brandenburg" wieder stärker in den Fokus zu bringen. "Das ist bisher zu kurz gekommen", findet Kleger.

Vorschreiben lasse sich Toleranz nicht, aber "weitertragen und weiterverbreiten", ist Kleger überzeugt. Das neue Toleranzedikt für Brandenburg sei ein Vorschlag, den der Verein zur Diskussion stelle. Es könnte ein Signal sein, nicht nur für die Brandenburger, sondern auch für die Flüchtlinge im Land, dass sie hier willkommen sind.

www.potsdamer-

toleranzedikt.de

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Der Verein "Neues Potsdamer Toleranzedikt" ist 2009 gegründet worden. Im Jahr zuvor wurde das neue Toleranzedikt in der Stadt beschlossen. Autor war der Philosoph und Politikwissenschaftler Heinz Kleger. Seitdem haben sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildung und Wohnlage in dem Verein engagiert, unter anderem die Kampagne "Stoppt Hass-Propaganda", das Potsdamer Fest für Toleranz oder jüngst das Flüchtlings-Hilfe-Portal help.to gestartet. Dort können sich Brandenburger aktiv in die Flüchtlings-Hilfe einbringen, egal ob sich um Sachspenden, ehrenamtliches Engagement oder die Vermittlung von Arbeit oder Wohnungen handelt. In der Lausitz beteiligt sich daran unter anderem der Landkreis Spree-Neiße.