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| 19:00 Uhr

Erstmals Details benannt
Label soll Platz im Stall anzeigen – Tierschützer üben scharfe Kritik

 Das geplante staatliche Tierwohllabel für Fleisch wird bei der Bevölkerung in Deutschland nach Einschätzung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) gut ankommen. 
Das geplante staatliche Tierwohllabel für Fleisch wird bei der Bevölkerung in Deutschland nach Einschätzung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) gut ankommen.  FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Berlin. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner CDU) stellt das neue Kennzeichen vor. Von Matthias Puddig

Seit Jahren will die Bundesregierung ein Tierwohllabel einführen, nun nennt sie erstmals Details: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Mittwoch in Berlin die Kriterien für eine solche Kennzeichnung vorgestellt. Anhand dreier Stufen sollen die Verbraucher ab 2020 erkennen können, ob das Tier gut gehalten wurde. Zunächst gilt das allerdings nur für Schweine. Entsprechende Labels für Rind und Geflügel sollen folgen. „Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware“, sagte Klöckner. „Deshalb geht ihr Schutz uns alle an.“

Ein Ziel des Tierwohllabels ist mehr Transparenz. Bislang ist beim Metzger oder im Supermarkt nur schwer zu erkennen, unter welchen Bedingungen ein Tier zuvor gehalten und gemästet wurde: Wurde das Schwein ohne Betäubung kastriert? Hatte es genug Platz im Stall? Musste es lange Transporte erleiden? Wer als Händler das Tierwohllabel auf seine Produkte kleben will, der muss seine Produkte anhand von 13 Kriterien überprüfen lassen, die über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen. „Wir nehmen die gesamte Lebensspanne des Tieres ins Visier“, sagte die Ministerin.

Klöckner betonte zudem, dass sie mit der Einführung des Kennzeichens dem Wunsch der Verbraucher nachkommt. „Rund 80 Prozent wünschen sich ein unabhängiges staatliches Kennzeichen“, sagte sie. Das sei ein Ergebnis des Ernährungsreports, den ihr Ministerium erst vor Kurzem vorgestellt hat. Demnach seien die Leute auch bereit, mehr dafür zu zahlen. „Mehr Tierwohl kostet mehr Geld“, räumte Klöckner ein. Deshalb soll das Label mit einer Kampagne begleitet werden, um Zahlungsbereitschaft der Kunden zu erhöhen und Landwirte von der Teilnahme zu überzeugen.

Tierschützern reicht das allerdings nicht. Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace, kritisiert vor allem, dass das Tierwohllabel freiwillig ist. Er will eine Pflicht und erinnert daran, dass ein solcher Zwang zur Kennzeichnung bei Eiern gut funktioniert hat: „Da hatten wir Käfig-, Boden-, Freilauf- und Bio-Eier. Die Käfig-Eier wollten die Leute dann nicht mehr, und der Handel hat sie dann ausgelistet.“

Hofstetter kritisierte zudem, dass Klöckner die eigentlich geplanten Kriterien aufgeweicht hat. „Sie hatte höhere Ansprüche“, sagte er. Diese seien „auf Druck des Bauernverbandes“ gesenkt worden. „Das Kennzeichen wird nicht mehr viel bringen.“

Das befürchtet auch der Verbraucherzentrale Bundesverband. Zwar erkennt vzbv-Chef Klaus Müller an, dass es mit dem Label mehr Transparenz gebe. Die Kriterien hält er aber für zu weich: „Stufe 1 bringt im Ergebnis nur zu geringe Verbesserungen für die Haltung von Schweinen“, so Müller. „20 Prozent mehr Platz im Stall reichen nicht aus.“ Das könne allenfalls ein erster, zeitlich begrenzter Schritt sein.