Einen "Vertrauensvorschuss" wünscht sich Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) für die neuen, angelernten Kollegen im Schuldienst. Verwehren möchte dieses Vertrauen zum Schuljahresbeginn niemand so recht. Trotzdem ist die Skepsis groß, ob die vielen Quereinsteiger ihrer Aufgabe gerecht werden können. Schließlich machen sie 45 Prozent der 1150 frisch eingestellten Lehrer in Sachsen aus. Mit dem Ärger über diesen Notbehelf wächst der Unmut über die Bildungspolitik der schwarz-roten Staatsregierung. So bei dem Landeselternrat, der sich gestern am ersten Schultag wütend zu Wort meldete.

Allen sollte langsam bewusst werden, "welchen Schaden die bisherige Staatsregierung nicht nur bei den Kindern, sondern auch der Allgemeinheit angerichtet hat", ließen die Elternvertreter wissen. Der Schulstart werde durch die Seiteneinsteiger deutlich erschwert, denn die Kollegen müssen ihnen gerade am Anfang unter die Arme greifen.

Die Seiteneinsteiger sind Akademiker mit Fachwissen, aber ohne Pädagogik-Abschluss, die sich spät entschieden haben, als Lehrer zu arbeiten. Auf sie musste Sachsens Kultusverwaltung zurückgreifen, weil sich zu wenige ausgebildete Lehrer für einen Job in Sachsen beworben hatten.

Ein Versagen der Bildungspolitik, meinen die Elternvertreter. "Die über Jahre ausgesprochenen Mahnungen wurden ignoriert", kritisiert der Landeselternrat. Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung und Altersregelungen für die Lehrer seien "nicht den notwendigen Bedingungen angepasst" worden. Der Elternrat will sich an dem landesweiten Aktionstag zur Bildung beteiligen, den die Schülervertretungen planen. Man werde sich bei der Personalplanung für die Schulen "nicht mit den Krümeln des Finanzministers zufrieden geben", betonen die Eltern.

Der Landesschülerrat findet jetzt erstmal wichtig, Unterrichtsausfall zu verhindern. Einen "Pool an Vertretungslehrern" forderte der Vorsitzende Leonard Kühlewind im MDR. Dafür brauche es eine großzügigere Planung beim Personal. Der Lehrerberuf muss attraktiver werden, betont Kühlewind. Die Nettolöhne der sächsischen Lehrer müssten an die westlichen Bundesländer angepasst werden.

Finanzminister Georg Unland (CDU) steht damit ein heißer Herbst bevor. Neben der Polizei hat er nun auch an den Schulen mit erheblichen Personalforderungen zu tun.

Zumal die rund 25 000 Lehrer die personalstärkste Berufsgruppe unter den Landesbediensteten ausmachen. Ob die Schülerzahlen indes weiter steigen - und damit dauerhaft mehr Lehrer gebraucht werden -, lässt sich schwer voraussagen. Sachsen hat in diesem Jahr 36 400 Erstklässler eingeschult.

Insgesamt haben gestern 400 000 Schüler den Unterricht begonnen - 10 000 mehr als im vergangenen Jahr.