Die Fraktionen hatten die Novelle gemeinsam vorgelegt, was im Landtag außergewöhnlich ist. Mit den Änderungen soll ein jahrelanger Streit mit den Opferverbänden für die NS-Zeit und dem Zentralrat der Juden beigelegt werden.

Der Freistaat sah sich mit dem Vorwurf konfrontiert, in der Arbeit der Stiftung nicht ausreichend zwischen den historisch einmaligen Verbrechen der Nazis und den Verbrechen der kommunistischen Willkürherrschaft zu unterscheiden. Der Streit sorgte auch überregional für Aufsehen, 2004 zogen sich verschiedene NS-Opferverbände und der Zentralrat der Juden aus der Mitarbeit der Stiftung zurück. Später kehrten sie zurück. Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) sagte, die Verabschiedung vollende einen Prozess der Wiederannäherung zwischen Opferverbänden und Stiftung, der sich in den vergangenen drei Jahren vollzogen hat.

Das neue Gesetz hebt die Singularität des Holocausts ausdrücklich hervor und bindet sechs weitere Gedenkstätten in die Förderung der Stiftung ein. Zu ihnen gehört zum Beispiel die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig und der Gedenkort in Großschweidnitz für die Opfer der NS-"Euthanasie". Zudem sollen der Einfluss der Opferverbände auf die Arbeit der Stiftung und der Bildungsauftrag gestärkt werden. Der CDU-Abgeordnete Günther Schneider, sagte, es handele sich um ein Gesetz von hoher gesamtgesellschaftlicher Bedeutung und es sei gut, dass es aus der Mitte des Landtags herrühre. Die SPD-Abgeordnete Eva-Maria Stange sagte, ein "unwürdiges Kapitel" sächsischer Erinnerungskultur ende mit dem neuen Gesetz. Der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Karl-Heinz Gerstenberg, sprach von einer schwer erarbeiteten und hochsensiblen Einigung. Kritik kam von der Linksfraktion, die sich bei dem Beschluss der Stimme enthielt. Sie war nicht in die Vorbereitung der Novelle eingebunden. Die Ausgrenzung seiner Fraktion sei eine schwere Hypothek für den angestrebten erinnerungspolitischen Konsens, sagte der Abgeordnete Volker Külow. Er kritisierte zudem die aus seiner Sicht weiterhin zu starke Vertretung der Landesregierung im Stiftungsrat. Ein Änderungsantrag der Linksfraktion wurde vom Landtag abgelehnt.

Bereits vor dem Beschluss zur Novelle lobte der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, Heinz-Joachim Aris, das neue Gesetz. Der Konsens scheine nun gewährleistet zu sein, sagte er. Anliegen, wie die Betonung der Singularität des Mordes an den europäischen Juden, seien berücksichtigt worden.

In der Kritik steht seit Monaten zudem, dass der Chemnitzer Kaßberg nicht zum Gesetzes-Katalog der zu fördernden Gedenkstätten gehört. SPD-Abgeordnete Stange wies darauf hin, dass die Novelle auch für diesen Gedenk ort die Chance zur Förderung biete.