Roland Sängerlaub sitzt mit im Stuhl-Halbkreis vor den Premierengästen im IBA-Studierhaus in Großräschen. Der Ortsvorsteher von Geierswalde (Kreis Bautzen) hat sich dafür entschieden, einmal im Monat im Erzählsalon in sein Leben und das der Gemeinde am gleichnamigen Bergbaufolge-See schauen zu lassen.

Wie der 54-jährige Sozialarbeiter in Hoyerswerda nach Geierswalde kam, hat dieses Etwas, was die erfahrenen Biografienschreiber von Rohnstock aus Berlin auch herauskitzeln wollen. "Ich bin auf einer Dienstreise durch Geierswalde gefahren und habe gespürt, dass ich hier leben möchte", schildert Sängerlaub jenen Tag. Mit seiner Frau war er 1988 von Frankfurt (Oder) nach Hoyerswerda gezogen. Zehn Jahre später wurde er in Geierswalde ansässig. Damals hat es mit dem See vor den Toren der Kommune gerade angefangen. Ex-Ortsvorsteher Karl-Heinz Radochla hat ihn in den Förderverein "Wasserwelt Geierswalde" geholt.

Bis zur Übernahme des Vorsteherpostens der sächsischen Kommune 2009 hat Sängerlaub die Entwicklung der Wasserwelt eng begleitet, kann auch von Details berichten. Jetzt macht er sich mit den Gemeindevertretern im Ort um die Zukunft Gedanken. "Ich möchte, dass der dörfliche Charakter trotz der Tourismusentwicklung erhalten bleibt", schwebt Roland Sängerlaub das "Heidedorf am See" vor. Im Erzählsalon Geierswalde erhofft er sich dazu durchaus Anregungen.

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, dürfte ihm dafür ebenso Zuversicht vermittelt haben wie Katrin Rohnstock. Festzuhalten, was gewesen ist, um daraus Zukunft zu gestalten - das sei so wichtig, sagte Gleicke und begründete, warum in dieses Projekt Bundesmittel fließen. Weil die SPD-Politikerin überzeugt sei, dass mit " Lausitz an einen Tisch " eine Form der Vergangenheitsaufarbeitung gewählt werde, die in der Lage sei, Potenziale und neue Initiativen zu fördern. Gleicke, die sich als Thüringerin mit "Herz und Schnauze" präsentierte, zollte Rohnstock-Biografien Respekt und versicherte: "Ich werde das Projekt im Auge behalten."

Für Katrin Rohnstock, die Inhaberin und Herausgeberin von inzwischen 300 Büchern seit 2002, ist das zusätzlicher Ansporn. Denn mit den Erzählsalons, die für sie beinahe zur Marke geworden seien, und über die Biografien soll jetzt erstmals der Wandel einer Region und deren Zukunftsfähigkeit aufgezeigt werden.

"Erzählen macht fröhlich, fördert Erinnerungen zutage und befriedet die Menschen", erläutert Rohnstock. Nach dem Auftakt in Großräschen erfolgt in der zweiten Augustwoche der scharfe Start der Erzählsalons in Lauchhammer, Sedlitz, Geierswalde, Plessa und in der Gartenstadt Marga. "Wir haben uns gesucht und gefunden", fiebert der Chef des IBA-Studierhaues Prof. Rolf Kuhn den Geschichten aus Lausitz schon entgegen. Lesen wird er allerdings nur können, was eine Jury entscheidet.