Und vielleicht wird dies einer seiner wichtigsten Auftritte in den verbleibenden sieben Monaten seiner Amtszeit werden. Denn die Erwartungen an den 37-Jährigen sind groß. Er muss im Bundestag zunächst einmal jene Oppositionspolitiker Lügen strafen, die ihm als ehemaligem CSU-Generalsekretär mangelnde Kompetenz und indirekt auch seine altersbedingte Unerfahrenheit vorhalten. Vor allem aber muss er die eigenen Parteifreunde beruhigen, die der Umgang mit seinem Vorgänger Michael Glos tief verärgert hat - und das sind einige, wie sich gestern in der Fraktionssitzung von CDU und CSU zeigte. Schließlich geht es für zu Guttenberg noch darum, in seiner ersten Rede im Amt all den Hoffnungen gerecht zu werden, die jetzt in ihn gesetzt werden. Das politische Talent soll der Union wieder wirtschaftspolitisches Leben einhauchen, weil von der einstigen Kernkompetenz der Partei nicht allzu viel übrig geblieben ist, seit sie in der Großen Koalition regiert und der blasse Glos das Schlüsselressort Wirtschaft geführt hat. "Aus diesem Amt kann man etwas machen", erwartet Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach. Mangel an markanten Köpfen Die Profilfrage wird die entscheidende sein, sie wird das Urteil über zu Guttenbergs kurze Amtszeit bis zur Bundestagswahl bestimmen. Viele Unionspolitiker hadern schon lange damit, dass die FDP in diesem Bereich so erfolgreich bei den Konservativen wildert. Seitdem sich Angela Merkel mit Friedrich Merz überworfen hat, fehlt es an prominenten Häuptern für die Wirtschaftspolitik. Und erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass einer ihrer letzten markanten Köpfe, der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer, dank eines schlechten Listenplatzes im nächsten Bundestag wohl nicht mehr vertreten sein wird. Angela Merkel tat bislang nichts, um die Lücke zu füllen, im Gegenteil: In der Vergangenheit schwenkte sie in wirtschaftspolitischen Fragen oft auf den SPD-Kurs ein, was die eigenen Reihen zwar zunehmend empörte, aber dabei blieb es meist auch. Die Ernennung von zu Guttenberg sei daher eine "gute Entscheidung für die Sache, das Amt und die anstehenden Wahlkämpfe", frohlockte am Dienstag der P arlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU). Nicht einmal eine Schonfrist Der Mann, den vor drei Monaten noch kaum einer kannte, soll es nun also richten. Dass ihm das gelingen wird, glaubt indes nicht jeder. In der Union gibt es zahlreiche Stimmen, die beim Jubeln nicht mitmachen wollen und die zu Guttenberg noch nicht einmal eine Schonfrist einräumen. So moserte jetzt der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Otto Bernhardt: Die Personalie zeige erneut, "dass es um die Wirtschaftskompetenz der Union schlecht bestellt ist". Denn bisher sei der Freiherr nur als Außenpolitiker aufgetreten. "Uns fehlen die jungen Politiker mit wirtschaftspolitischer Ausstrahlung", lautete Bernhardts Befund. Gerade die Altvorderen in der Union wollen nach dem unrühmlichen Abgang von Michael Glos nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. "Das war keine Glanzleistung", richtet sich die Kritik insbesondere gegen den Führungsstil von CSU-Parteichef Horst Seehofer, aber auch gegen die Kanzlerin. Ruhe ist in der Union durch die Ernennung von zu Guttenberg noch lange nicht in Sicht.