Für Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer grenzt es an ein Wunder, dass kein Feuerwehrmann, kein Forstarbeiter bei diesem Einsatz zu Schaden kamen. "Wir hatten so viel Glück!"
Prompt meldete sich die Interessengemeinschaft Freie Lieberoser Heide zu Wort. In einem Offenen Brief forderte sie im August von der Landesregierung in Potsdam, endlich die Munition auf dem Areal zu beseitigen. "Das ist wichtiger, als öffentliche Gelder für einen dort geplanten Nationalpark zu verschwenden", wetterte Vereinschef Helmut Fries.
Der Streit um den Status des Geländes begann bereits im Frühjahr 2003. Kurz nachdem sich der Förderverein Nationalpark Lieberoser Heide gegründet hatte, versammelten sich die Gegner in der Interessengemeinschaft Freie Lieberoser Heide. Beide Vereine, die aus Einzelpersonen und Gemeinden bestehen, haben sich den Naturschutz in dem 28 700 Hektar großen Gebiet auf die Fahnen geschrieben. Doch die Geister scheiden sich vor allem an den Fragen, wie viel von der Munition beseitigt werden soll und wie die Fläche genutzt werden kann.

Einzigartige Wanderdüne
In dem Gebiet nördlich von Cottbus leben seltene Tierarten wie Seeadler, Wiedehopf und Fischotter. Nach 1945 nutzte die Sowjetarmee das Gelände für Bombenabwürfe und zum Schießen, und manchmal übte dort auch die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR.
Als die russischen Panzerverbände 1992 abzogen, hinterließen sie nicht nur scharfe Munition und ein Chemielager, sondern auch eine riesige Schießbahn auf dem zerstörten Sandboden nach Lieberose. In dieser Wüstenei haben Winde eine große Wanderdüne gebildet, die wohl einzigartig in Deutschland ist.
Der in Lieberose (Dahme-Spreewald) ansässige Förderverein will 10 000 Hektar in den zweiten brandenburgischen Nationalpark nach dem Unteren Odertal umwandeln. "Davon sollen 5000 Hektar mit Munition verseuchtes Gebiet im Kernbereich der Natur überlassen bleiben, mit Ausnahme von Altlastenbeseitigung und Waldbrandbekämpfung", sagt Vereinsvorsitzender Christian Hähnlein. Dort sei in der gesperrten Roten Zone ein Forschungsgehege mit Wildpferden und Wisenten geplant. "In einem Pufferbereich könnten weitere 5000 Hektar für sanften Tourismus und den Waldbau genutzt werden."
"Diese Pläne sind unverantwortlich", sagt dagegen Fries von der Interessengemeinschaft. "Wir fordern zuerst eine komplette Beräumung der Munition, sodass die gesamte Fläche für Besucher begehbar und wirtschaftlich nutzbar gemacht werden kann", verlangt der ehrenamtliche Bürgermeister von Turnow-Preilack (Spree-Neiße). Sei der Nationalpark erst einmal geschaffen, könne diese Fläche nicht mehr komplett beräumt werden.
Die Natur müsse den Menschen zurückgegeben werden. "Sie sollen dort Pilze sammeln oder in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Erzeugung von alternativen Energien tätig werden", betont Fries. Hähnlein kontert: "Das wollen wir auch. Aber wir glauben nicht, dass man die Beschränkungen für die Rote Zone einfach so kippen kann."

Erst ein schlüssiges Konzept
Forstminister Dietmar Woidke (SPD) hält sich bisher zurück. Allzu frisch ist noch die Erinnerung an die Auseinandersetzungen zwischen Naturschützern und Bewohnern beim Nationalpark Unteres Odertal. "So einen Streit wollen wir nicht noch einmal", sagt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Deshalb müsse für das Projekt eines Nationalparkes Lieberoser Heide erst ein schlüssiges Konzept her.
Infos im Internet: www.lieberoserheide.de