Nun muss Kaeser das Ruder herumreißen und das Chaos beenden.

Viele trauten ihm das schon in den vergangenen Monaten mehr zu als dem gestürzten Löscher. Dafür sorgt schon Kaesers Kommunikationsstil: Weit klarer als Löscher benannte der 56-Jährige immer wieder die Lage des Unternehmens und ließ dabei auch Zweifel an Löschers Vorgaben durchschimmern. An den Kapitalmärkten genießt der 56-Jährige hohes Ansehen. Gerade das war ihm bei den Nachfolgespekulationen in den vergangenen Wochen als einer der größten Pluspunkte angerechnet worden.

Allerdings würde Kaeser, seine Berufung am Mittwoch vorausgesetzt, sein neues Amt nicht unbelastet antreten: Er hatte qua Zuständigkeit an den Gewinnzielen mitgerechnet, deren wiederholte Streichung Löschers Rauswurf nun vorausgingen. Allerdings soll er die Aufsichtsräte schon vor Monaten auf Defizite im Unternehmensprogramm Siemens 2014 hingewiesen haben, wie in der "Börsen-Zeitung" zu lesen ist.

Der gebürtige Niederbayer Kaeser, der eigentlich Josef Käser heißt, hat sein ganzes Berufsleben bei Siemens verbracht. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft begann er seine berufliche Laufbahn 1980 im Unternehmensbereich Bauelemente. Es folgten verschiedene Stationen im Konzern, zunächst als kaufmännischer Leiter und später dann als Vorstand der früheren Siemens-Mobilfunksparte ICM sowie als Leiter der Konzernstrategie noch unter dem früheren Siemens-Chef He inrich von Pierer. Im Mai 2006 wurde Kaeser dann unter Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld Finanzvorstand von Deutschlands größtem Elektrokonzern. Die Entscheidung für Kaeser dürfte auch Arbeitnehmervertretern entgegenkommen. Der 56-Jährige gelte als Pragmatiker, als "einer, der Lösungen will", heißt es. dpa/uf