"So wird man sicher die Akzeptanz der Menschen für eine Fusion nicht erreichen", sagte Fritsch. Nun müsse es neue Gespräche geben. "Der Vorstoß hat aber auf unsere Planungen für einen Landtagsneubau keinen Einfluss." Für den Fall, dass die Fusion nicht zu Stande käme, könnte zum Beispiel der Landesrechnungshof in das Gebäude mit einziehen.
Brandenburg beabsichtigt, für das neue Parlament das Potsdamer Stadtschloss für mehr als 90 Millionen Euro wieder aufzubauen. Momper weist aber in dem Brief darauf hin, dass im Berliner Abgeordnetenhaus genügend Platz für die 150 Parlamentarier eines gemeinsamen Landes wäre. Zudem müsse der Parlamentssitz per Staatsvertrag geregelt werden.
Fritsch betonte, in dem 1995 von beiden Parlamenten beschlossenen Staatsvertrag sei Potsdam als Landeshauptstadt, Regierungs- und Parlamentssitz festgelegt. Damals habe es zwei Gründe dafür gegeben. Die Entscheidungen des Landes sollten nicht von denen der Bundesregierung überlagert werden. Zudem sollte so die Akzeptanz der Brandenburger erhöht werden. Dieses Kalkül ging allerdings nicht auf: Die Volksabstimmung scheiterte 1996 an den Brandenburgern.
Der märkische SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Baaske sagte, mehr als zehn Jahre habe Konsens mit Berlin über den Standort Potsdam geherrscht. Berlin sollte daran keinen Zweifel aufkommen lassen. "Sonst sinken die Chancen für eine Fusion bei den Brandenburgern ins Bodenlose." Er bekannte sich zur Fusion. Eine Volksabstimmung sollte es aber erst geben, wenn sie aussichtsreich sei. Das Schreiben Mompers sei dabei "wenig hilfreich und ein Schritt zurück".
Auch Brandenburgs CDU-Generalsekretär Sven Petke und die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Barbara Richstein beharrten auf Potsdam. Die Fraktionsvorsitzende der märkischen Linkspartei-Fraktion, Kerstin Kaiser, sagte, sie sei nicht verwundert. Vor der Entscheidung für einen Neubau hätte man sich mit Berlin über die Bedingungen einer Fusion einigen müssen. "Erst reden, dann bauen." Sie persönlich könnte sich auch Berlin als Parlamentsstandort vorstellen. Brandenburgs FDP-Chef Heinz Lanfermann kritisierte Mompers Brief und sagte: "Wer eine Länderfusion auf Dauer verhindern will, muss solche Vorschläge machen."