Pikanterweise war der 52-Jährige damals Vizepräsident des Vereins. Wegen besonders schwerer Untreue in 113 Fällen muss er sich nun vom 19. September an vor dem Neuruppiner Landgericht verantworten, der Verdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen kommt in der Anklageschrift noch hinzu. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Beschuldigten bis zu zehn Jahre Haft, wie Gerichtssprecherin Iris le Claire gestern sagte. Der fristlos entlassene Ex-Geschäftsführer soll jahrelang ohne Rechtsgrundlage und „in wirtschaftlich nicht mehr vertretbarer Höhe“ den MSV gesponsert und dabei private, wirtschaftliche und lokalpolitische Interessen vermengt haben.
Laut le Claire geht es bei den Untreue-Vorwürfen um fast eine Million Euro, darunter mehr als eine halbe Million für den Ankauf des Stadiongebäudes. Zudem soll der Angeklagte einen Vertrag mit einem Energiekonzern von der Unterstützung für den MSV abhängig gemacht haben.
Der Prozess steht in einer langen Reihe von Verfahren gegen einstige Neuruppiner Stadtgrößen wegen Korruption oder Untreue. So war der frühere Bürgermeister, Otto Theel (Linke), am 14. Mai wegen Vorteilsannahme zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Verfahren wegen schweren Subventionsbetrugs wurde später gegen Zahlung von 5000 Euro vorläufig eingestellt. Die Vorwürfe standen im Zusammenhang mit dem Bau eines Vier-Sterne-Hotels.
Wegen Vorteilsnahme musste zudem der frühere Tiefbauamtsleiter Neuruppins eine Geldstrafe von 6750 Euro zahlen, weil er nach Überzeugung des Gerichts Geschenke nicht ausgeschlagen hatte. Die Staatsanwaltschaft der Stadt bestätigte gestern zudem einen Bericht des „Berliner Kuriers“, wonach im Zusammenhang mit diesem Prozess nun gegen einen Zeugen wegen des Verdachts der Falschaussage ermittelt werde. Und dieser Zeuge wiederum ist nach Auskunft von Stadtsprecher Andreas van Hooven designierter Nachfolger eben des Ex-Stadtwerke-Chefs, der in Kürze vor Gericht steht.
Nach den Worten van Hoovens wird der geplante Vertrag eine Klausel enthalten, die den laufenden Ermittlungen Rechnung trägt. „Damit wird die Stadt alle personalrechtlichen Hebel in der Hand behalten.“ Van Hooven verwies darauf, dass nahezu alle Korruptions-Vorwürfe, die Neuruppin erschüttert haben, nicht in die Amtszeit von Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) fielen.