Nahezu jede dritte in Sachsen gekündigte Schlecker-Verkäuferin hat einen neuen Job. Von den 1294 ehemaligen Beschäftigten, die sich arbeitslos meldeten, fanden bislang 405 eine neue sozialversicherungspflichtige Stelle, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Chemnitz mitteilte. Dies entspricht einem Anteil von 31,3 Prozent. Bundesweit hatten sich rund 23 300 Schlecker-Mitarbeiterinnen nach der Pleite arbeitslos gemeldet, davon kamen laut Bundesagentur bis Ende September 7100 (30,5 Prozent) in einem neuen Job unter.

In Sachsen hatten die meisten (206) derjenigen, die nun wieder in Lohn und Brot stehen, bereits im April ihren Job bei Schlecker verloren. Von den 822 Beschäftigten, die sich erst im Zuge der zweiten Kündigungswelle von Juli an arbeitslos meldeten, sind bislang 199 wieder in Beschäftigung. Den Angaben zufolge fallen weitere 244 Ex-Schlecker-Verkäuferinnen aus anderen Gründen wie etwa Weiterbildung oder Praktika derzeit aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Den knapp 650 darin Verbliebenen stünden mehr als 2200 freie Jobs im Bereich Handel, Dienstleistung, Vertrieb und Tourismus gegenüber, hieß es weiter.

Wohl auch vor diesem Hintergrund hatte Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) Anfang April eine gewagte Prognose abgegeben: Es werde gelingen, mehr als 80 Prozent der betroffenen Mitarbeiterinnen in Sachsen binnen eines halben Jahres wieder in eine neue Arbeit zu vermitteln, sagte er damals im Landtag. Tatsächlich hatte es die zweite Kündigungswelle und damit das endgültige Aus von Schlecker erst nach Sven Morloks Äußerung gegeben.

Der Arbeitsmarktexperte der Grünen-Landtagsfraktion, Miro Jennerjahn, sprach dennoch davon, dass Morlok sein selbst gestecktes Ziel "meilenweit verfehlt" habe: "Wer nichts macht, macht zwar nichts verkehrt, hat aber eben auch keinen Erfolg." Ministeriumssprecher Florian Schaefer entgegnete, dass es sehr wohl richtig gewesen sei, auf die bewährten Instrumente der Bundesarbeitsagentur zu setzen. Auch durch laufende Qualifizierungsmaßnahmen würden sich die Berufsperspektiven der Verkäuferinnen verbessern.