Geschichte wiederholt sich: Wie beim Bau des Leipziger Völkerschlachtdenkmals (1898-1913) fehlt gut 100 Jahre später auch für die Sanierung das Geld. Nach zwei Jahren Restaurierung steht fest, dass sich die staatlichen Bauherren nur noch eine abgespeckte Sanierung für den 91 Meter hohen Koloss leisten können. Die Putzkosten des monumentalen Riesen verschlingen etwa 15 von 30 Millionen Euro. Selbst diese Summe steht auf wackligen Füßen: Die Stadt hat ihren Anteil nur bis 2008 zugesichert. Das Mahnmal an die blutige Schlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 ist mit seinen 300 000 Tonnen das größte Denkmal Europas.
Laut den Kalkulationen des städtischen Kulturamtes soll bis 2013 das Notwendigste gemacht werden, wenn der 200. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig sowie der 100. Jahrestag der Einweihung des Denkmals gefeiert wird. "Wir haben vorerst alles, was nicht so wichtig ist, gestrichen", sagt Klaus-Michael Rohrwacher, Vorsitzender des Fördervereins. Schwerpunkt der Arbeiten sei, "das Völki erst einmal dicht zu kriegen", sagt Oberbauleiter Ronald Börner. Die Einsparungen betreffen vor allem die Umgebung des Denkmals wie das Wasserbecken, die Treppen und die Eingangspylonen. Die bewilligten Baumaßnahmen laufen laut Börner allerdings ohne Zeitverzug ab.

Fugen werden ausgebessert
Der dritte von angepeilten sieben Bauabschnitten hat diese Woche begonnen und braucht die letzten Mittel der Landesregierung auf. Die Restauratoren um Börner starten nach langer Frostpause das "Lifting" der Freiheitswächter. Doch trotz Kostenhalbierung soll geklotzt und nicht gekleckert werden, verspricht Börner: Die Steine erhalten eine Edelstahlverankerung und die Fugen werden "klinisch sauber" gemacht, bevor eine spezielle getestete Fugenmasse aus Epoxydharz aufgetragen wird. "Wenn wir außen dicht und sauber sind, beginnen wir im Innern voraussichtlich ab Sommer mit der Trocknung des Reiterreliefs." Dafür wird ein Heizkraftwerk für 400 000 Euro gebaut. Außerdem soll im Herbst eine Beleuchtung für den Außenkörper installiert werden.
Bis Ende dieses Jahres werden damit 7,6 Millionen Euro seit Beginn der Restaurierung verbaut. Danach zahlt die Stadt die Kosten für den vierten zweijährigen Abschnitt weiter, sagt die zuständige Sachbearbeiterin im Kulturamt, Eva Steckel. Mit Sachsen Lotto gibt es laut Rohrwacher Gespräche über eine Lotterie, die schon vor 100 Jahren zusätzlich Geld in die Baukasse brachte. "Aber an der Bearbeitungszeit hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert. Der Antrag liegt seit einem halben Jahr in Dresden zur Genehmigung."

Denkmal bleibt geöffnet
Trotz Bauarbeiten steht das Mahnmal, das an die Völkerschlacht mit mehr als 120 000 Toten erinnert, Besuchern offen. Am 28. April sollen erste sichtbare Ergebnisse der Sanierung gefeiert werden, darunter die Freilegung der Fundamente. "Das gibt dem Denkmal einen ganz anderen Charakter", so Rohrwacher. Der Förderverein sieht darin auch eine neue Geldeinnahmequelle. Der gewonnene Raum biete Platz für 100 Gäste und sei zur Vermietung für Veranstaltungen vorgesehen. Vor vier Wochen sei dort über eine andere Baustelle in Leipzig Bilanz gezogen worden, nämlich über den City-Tunnel.
Zur Fußball-WM hatte der Förderverein überlegt, das Denkmal als imposante Kulisse zu nutzen, sagt Rohrwacher. "Ein Highlight am Denkmal kriegen wir ohne die Genehmigung der Sponsoren nicht auf die Reihe. Wenn, dann machen wir etwas aus der Situation heraus."