Die Lausitz liegt am östlichen Rand der Bundesrepublik. Ihr Pendant am anderen, am westlichen Ende Deutschlands, ist die Eifel. Geografisch liegen die Regionen also ähnlich. Und wie die Lausitz, so kämpfen auch die Dörfer der Region um die Bierstadt Bitburg und das Vulkanzentrum Daun im Grenzgebiet zu Luxemburg und Belgien um jeden Einwohner. Landflucht ist überall sichtbar. Zu Zeiten Kaiser Wilhelms noch als preußisch Sibirien verschrien, hat sich die Eifel inzwischen bundesweit einen Namen gemacht.

Eine ungewöhnliche Allianz von Naturschützern, Bauern, Vermarktern und Touristikern in der Modellkommune Eifelkreis Bitburg-Prüm wird 2002 mit ihrem Konzept einer Regionalmarke Sieger beim Bundeswettbewerb "Regionen aktiv - Land gestaltet Zukunft". Wunsch ist es, die von der Agrarwende gebeutelte Eifel bei der Vermarktung und dem Vertrieb regionaler Qualitätsprojekte und beim Landtourismus zu fördern. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat nur jeder fünfte Bauernhof überlebt. Die Betriebe arbeiteten immer industrieller, typische Kulturlandschaften gingen verloren.

Für die Eifeler galt es, mit einer Anschubfinanzierung von zunächst 1,5 Millionen Euro jährlich über vier Jahre hinweg Skepsis, kommunalpolitisches Kirchturmdenken und Störfeuer aus allen Lagern beiseite zu schaffen. Im Ringen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, um einheitliche Qualitätsstandards für Schinken oder um eine gezielte Kontrolle der Anforderungen an Gastbetriebe und Produzenten hat sich die Ausdauer ausgezahlt. Inzwischen ist die Regionalmarke Eifel bundesweit Vorreiter auf dem Gebiet regionaler Vermarktungsinitiativen. Mehr als 300 Mitgliedsbetriebe aus Tourismus, Lebensmittelbranche und Holzbau aus mittlerweile zehn Landkreisen zwischen Nordrhein-Westfalen, Ostbelgien und Rheinland-Pfalz beteiligen sich. Fleischwaren sind der Schwerpunkt der mehr als 200 Eifel-Produkte. Schätzungen gehen davon aus, dass mit der Regionalmarke Eifel eine Wertschöpfung von rund einer Million Euro in der Region bleibt. Jüngster Coup des Orgateams: der Aufbau einer eigenen Arbeitgebermarke Eifel, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Nach einem Jahr sind nun über ein Dutzend Betriebe mit von der Partie, darunter auch die Bitburger Brauerei mit rund 1800 Mitarbeitern.

Und hier schließt sich der Kreis zur Lausitz. Landflucht bedeutet auch fehlender Nachwuchs und in der Folge Fachkräfteschwund für kommende Generationen. Und so versucht man, gemeinsam mehr für alle zu erreichen.

Zum Thema:
Ende Januar hat die LAUSITZER RUNDSCHAU ihre große Zukunftsserie "Lausitz 2030" gestartet. Seither haben viele Gastautoren aufgezeigt, wie die Lausitzer in 15 Jahren leben werden. Mischen auch Sie sich ein unter: www.lr-online.de/lausitz2030

Zum Thema:
Sabine Schwadorf, Jahrgang 1974, ist seit 14 Jahren Wirtschaftsredakteurin beim "Trierischen Volksfreund". Als gebürtige Eifelerin in Trier liegt ihr ihre Heimatregion, deren Entwicklung, der Dialekt und der von Luxemburg am Herzen. Als Autorin des Wörterbuches "Luxemburger Allerlei" kennt sie sich mit sprachlichen Finessen des Großherzogtums und mit den kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Begebenheiten im Grenzraum von Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Belgien aus.