Ein bisschen trauert Klaus-Peter Hönicke seinem Platz im Feuerwachturm schon hinterher. "Ich betrachte lieber die Natur als einen Computer-Bildschirm", sagt er. Andererseits waren elf Stunden auf dem Turm in Lichtenau (Landkreis Dahme-Spreewald) bei Waldbrandwarnstufe IV eine schweißtreibende Angelegenheit. Und wenn der Wind ging, "war da oben in 30 Meter Höhe ganz schön Bewegung". Heute liefert eine Kamera Hönicke die Bilder, die er früher selbst gesehen hat. Er sitzt im Lübbenauer Forstamt vor einem von zwei PC-Bildschirmen, auf denen die Bilder von fünf Überwachungskameras einlaufen. Nächstes Jahr wird noch ein dritter Arbeitsplatz eingerichtet. Dann übermitteln elf Kameras Rauchwolken-Bilder aus dem gesamten Forstamt Lübben, das sich bis in den Landkreis Teltow-Fläming erstreckt. Sieben Kollegen Hönickes, die jetzt noch Türme besetzen, dürfen dann auch hinuntersteigen. Nicht jede Rauchwolke zeugt gleich von einem Waldbrand. "Hier kann ich ihnen das mal zeigen", sagt Hönicke und deutet auf eine Art E-Mail, die gerade vom Turm in Luckau samt dazugehörigem Foto gekommen ist. In der E-Mail stehen Gradzahl und Entfernungsangabe. Hönicke blendet einen Kartenausschnitt ein, der ihm zeigt: Es qualmt nicht im Wald, sondern auf einem Feld. Der Waldarbeiter schaut das Foto genauer an, zoomt sich ran – und erkennt den aufsteigenden Qualm als Staubwolke, die ein Traktor aufwirbelt. Mehr Verantwortung als früher"Das ist der kleine Haken an der neuen Technik", erklärt Hönickes Chefin Delia Wuttge, Sachbearbeiterin für Waldschutz. Die Kamera unterscheidet Waldbrand-Qualm nicht von Staubfahnen, die ein Fahrzeug hinterherzieht, von Kühlturm-Abluft oder von den Verwirbelungen einer Windkraftanlage. Das muss der Mensch am Computer tun – und dann entscheiden. Ein Löscheinsatz kostet Geld. Zumal die Feuerwehren vorsichtshalber lieber mit zu vielen Einsatzfahrzeugen ausrücken als mit zu wenigen. "Die Verantwortung für die Waldarbeiter ist eindeutig größer geworden", stellt Delia Wuttges Kollege Günter Naumann vom Forstamt in Peitz fest. Früher hatte ein Waldarbeiter nur für das Areal Sorge zu tragen, das er vom Turm aus überblicken konnte. Heute überwacht er mit Kameras ein Gebiet, das bis zu fünf- mal größer ist. Die Peitzer haben die größte Erfahrung mit Kameras und Software des Herstellers "IQ-wireless". 1997 ließ das Umweltministerium im Peitzer Forstamt drei Kameras testen. Danach ging der Auftrag für 90 Geräte raus, mit denen alle Forstämter im Land Brandenburg ausgestattet werden. Im Peitzer Forstamt wurden Computerarbeitsplätze eingerichtet und acht Mitarbeiter geschult. Heute liefern elf Kameras Bilder in die Peitzer Waldbrandschutz-Zentrale. "Turmwächter haben wir nicht mehr", sagt Naumann. Nahe Spremberg und Lieberose wird dieses Jahr noch je eine Kamera installiert – dann läuft die Waldbrandüberwachung im Forstamt Peitz vollautomatisch. Auch im Forstamt von Doberlug-Kirchhain wird das bald so sein. Das Amt bekommt in diesem Jahr vier, im nächsten zwei Kameras. "Dann haben wir 14", so Leiter Hubertus Kraut. Häufiger als beim Peitzer Nachbarn drehen sich die Kameras in Doberlug-Kirchhain auf Funkmasten, über deren Standort das Forstamt mit dem Mobilfunkbetreiber verhandeln konnte. Für Kraut hat das den Vorteil, dass so einige Feuerwachtürme nicht länger instand gehalten werden müssen. Das Kamera-Auge ermüdet nicht75 000 Euro kostet eine Kamera samt Software. Die 90 Geräte, die bis Ende 2006 landesweit die Turmwächter abgelöst haben sollen, kosten dem Land 6,75 Millionen Euro. Jens-Uwe Schade, Sprecher des Umweltministeriums, "sieht darin eine Dienstleistung für den Bürger". 15 000 Menschen würden in Brandenburg in der Holzwirtschaft arbeiten. Zugleich ist die Lausitz eine der am stärksten von Waldbränden bedrohten Regionen Deutschlands. Die Kameras würden helfen, den Wald zuverlässiger zu schützen. Schade: "Ein Mensch kann nicht zehn Stunden konzentriert sein wie eine Maschine." Außerdem seien die meisten Turmwächter froh, den harten Job los zu sein. In Sachsen konnte man diesen Argumenten offenbar folgen. Bis 2007 werden im nordöstlichen Teil des Bundeslandes 17 Kameras gleichen Typs installiert, wie Andrea Ende vom Landesforstpräsidium bestätigt. Die vor drei Jahren in Weißkollm (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) ausprobierte Technik habe sich bewährt. Mittlerweile sind im Raum Hoyerswerda-Weißwasser drei weitere Kameras im Probebetrieb. Mehr als diese 17 Kameras aber würden in Sachsen nicht installiert, sagt Andrea Ende. Der Aufwand einer vollautomatischen Waldbrand- überwachung lohne sich nur in der von Waldbränden bedrohten Lausitz mit ihren Sandböden, trockenem Klima und Nadelbaum-Monokultur. .............................................................................................. Hintergrund: Computer mit Weltraum-SoftwareDie Kameras überwachen aus einer Höhe von 30 bis 65 Metern in einem Umkreis von zehn Kilometern die Wälder. Die Bilder sucht ein am Turmfuß untergebrachter Computer mit Weltraum-Software nach Rauchwolken ab. Bei Verdacht sendet der Computer die Bilder per ISDN-Verbindung mit Uhrzeit und Position an die Waldbrandzentrale im Amt für Forstwirtschaft. Dort entscheidet der Diensthabende, ob er die Feuerwehr alarmiert. ..................................................................................................