Mit einer geheimen Videoaufnahme eines Gesprächs mit dem ehemaligen Fifa-Top-Funktionär Ismail Bhamjee hat die Zeitung "The Sunday Times" neue brisante Vorwürfe um die WM-Vergabe 2010 öffentlich gemacht. Der vor knapp fünf Jahren vom Fußball-Weltverband suspendierte Bhamjee behauptet, dass bei der WM-Vergabe an Südafrika 2004 eigentlich Marokko die Stimmenmehrheit im Fifa-Exekutivkomitee gehabt habe. Dies hätten Gespräche im Funktionärszirkel nach der Abstimmung in Zürich belegt.

Zudem berichtet der Mann aus Botswana über Bestechungsdetails der marokkanischen WM-Bewerber. Bhamjee bestätigt auch die Verwicklung von Ex-Fifa-Vize Jack Warner in Bestechungspraktiken der marokkanischen und südafrikanischen WM-Bewerber. WM-Ausrichter Südafrika hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Laut "The Sunday Times" soll das Video aus dem Jahr 2010 der Fifa seit langem vorgelegen haben. Der Weltverband wollte sich am Sonntag weder zu dem Film noch zu den darin gemachten Vorwürfen äußern.

Bhamjee war von der WM 2006 wegen der illegalen Veräußerung von WM-Tickets nach Hause geschickt worden. Vor der WM-Vergabe 2010 wurde er von der Fifa wegen Bestechungsvorwürfen suspendiert.

Unterdessen hat der Vorsitzende der Fifa-Compliance-Kommission, Domenico Scala, erneut die Bedingungen für eine von vielen Seiten geforderte Neuvergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 erläutert. "Sollten Beweise dafür vorliegen, dass die Vergabe nach Katar und Russland nur dank gekaufter Stimmen zustande kam, dann könnte die Vergabe nichtig sein. Dieser Beweis wurde bisher nicht erbracht", sagte Scala der Schweizer "Sonntags-Zeitung".