Die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zur Drohnen-Affäre, Susanne Kastner, hat von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) genaue Auskunft über das Euro-Hawk-Debakel verlangt. Der Ausschuss beginnt am heutigen Montag mit seinen Befragungen. Das Gremium soll klären, wie das Milliardenprojekt in einem solchen Debakel enden konnte - und warum das Ministerium nicht früher die Reißleine gezogen hat. Laut einem Zeitungsbericht soll de Maizière bereits im Frühjahr 2012 über massive Probleme informiert gewesen sein.

Zunächst sind Ex-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sowie die ehemaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und Franz Josef Jung (CDU) geladen. De Maizière soll den Abgeordneten dann am 31. Juli Auskunft geben. Anfang September will sich dann noch der Bundestag in einer Sondersitzung mit dem Thema befassen.

Kastner forderte vom Minister, die bisherigen Widersprüche aufzuklären. Sie selbst habe "Schwierigkeiten", de Maizière noch zu glauben. Vertreter der Opposition verlangen schon länger den Rücktritt des CDU-Politikers. Kastner sagte dazu: "De Maizière muss selber verantworten, was er tut. Aber eins ist klar: Konsequenzen muss es geben."

Zweifel äußerte sie vor allem an der Darstellung, dass de Maizière erst Mitte Mai 2013 vom Ausmaß des Debakels erfahren habe. Erst am Freitag war über ein weiteres Dokument berichtet worden, wonach de Maizière möglicherweise früher Bescheid wusste. Nach jüngsten Informationen war schon im Frühjahr 2012 in einer Informationsmappe für de Maizière für eine Rüstungsklausur von "Schwierigkeiten bei (der) Musterzulassung" die Rede. Außerdem soll es darin geheißen haben: "Kostensteigerungen stellen (das) Gesamtsystem zunehmend infrage."

Laut "Bild am Sonntag" prüft das Verteidigungsministerium den Verkauf des Euro Hawk an die US-Weltraumbehörde Nasa oder die US-Luftwaffe. Voraussichtlich im September ende die Erprobung des Systems durch die Herstellerfirmen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht des Ministeriums vom 24. Mai. Im Anschluss gingen Drohne, Bodenstationen und Ersatzteile "in das Eigentum der Bundeswehr über". Das Ministerium rege einen Verkauf an, mache sich aber keine großen Einnahme-Hoffnungen: "Wesentliche Mittelrückflüsse werden nicht erwartet."

Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold hält die Idee für aussichtslos. "Da ist der Wunsch Vater des Gedankens, aber nicht mehr. Meine Prognose ist: Das Teil steht irgendwann in einem Technik-Museum", sagte er.

Inzwischen zeichnen sich auch beim Nato-Drohnen-Projekt Global Hawk Zulassungsprobleme ab. Aus einem internen Sachstandsbericht der Bundeswehr vom 2. Juni geht laut Medien hervor, dass die Verhandlungen mit dem amerikanischen Hersteller Northrop Grumman "schwierig" sind.

Die zuständige Zulassungsbehörde der italienischen Luftwaffe habe Anfang des Jahres sämtliche ihr überlassenen Dokumente dem Unternehmen zur Überarbeitung zurückgeschickt. Die Nato will bis bis zum Jahr 2018 insgesamt fünf Global Hawk kaufen und in Italien stationieren.

Laut Berliner Verteidigungsministerium sind die Zulassungsprobleme beider Drohnen-Systeme aber nicht vergleichbar. Zudem seien bereits US-Drohnen vom Typ Global Hawk in Italien mit italienischer Zulassung im Einsatz, hieß es in einer Erklärung.