An schweren Vorwürfen gegen die Haasenburg mit Standorten in Jessern, Neuendorf (Dahme-Spreewald) und Müncheberg (Oder-Spree) hat es in den vergangenen Tagen nicht gefehlt. Von Misshandlungen ist die Rede, von Folter, Knochenbrüchen und sogar von unklaren Todesfällen.

Am Donnerstag beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Cottbus umfangreiche Aktenbestände, um die Vorwürfe aufzuklären. Inzwischen hat eine Untersuchungskommission des Brandenburger Bildungsministeriums ihre Arbeit begonnen. Am Freitag sprachen deren Mitglieder in den Häusern der "Haasenburg" mit Bewohnern und Mitarbeitern.

Doch es gibt nicht nur Anschuldigungen gegen die "Haasenburg". Jetzt äußerte sich erstmals eine ehemalige Bewohnerin der umstrittenen Kinder- und Jugendheime gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) positiv über ihren Aufenthalt dort. "Mir hat die Zeit dort sehr geholfen", sagte die heute 25-Jährige, die anonym bleiben will.

Zwar seien die "Haasenburg-Regeln" streng. Misshandlungen oder Übergriffe habe sie während ihrer dreijährigen Zeit im Heim aber nicht erlebt, sagte die Brandenburgerin. "Ich finde die Vorwürfe krass." Die junge Frau lebte nach eigenen Angaben in den Jahren 2007 bis 2009 in Jessern und Müncheberg.

Grund ihres Aufenthaltes waren psychische und familiäre Probleme. "Ich habe mich selbst verletzt, Drogen genommen und war ziemlich kriminell. Und ich bin mit meinen Eltern nicht klargekommen", berichtete sie.

Die Betreuer hätten sich intensiv um ihre Probleme gekümmert. In destruktiven Phasen sei sie zu ihrem Selbstschutz auch festgehalten, aber nie misshandelt worden. Nach ihrer Entlassung habe sie eine Lehre begonnen. Heute nehme sie keine Drogen mehr und habe einen festen Job.

Derweil noch immer unterwegs sind drei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren, die in der Nacht zum Mittwoch aus dem Haasenburg-Haus in Neuendorf wegliefen. Sie stammen aus Berlin, Hamburg und dem Saarland.

Der Hamburger Anwalt Rudolf von Bracken bestätigte, dass er die drei Jungen inzwischen rechtlich vertritt: "Ich habe sie hier in Hamburg persönlich getroffen." Die Jugendlichen hätten ihm gegenüber glaubwürdig das Erleben von brutaler Gewalt, Schikanen und entwürdigender Behandlungen in der Haasenburg geschildert. Deshalb wollten sie nicht dorthin zurück.

Von Bracken habe deshalb bei den zuständigen Gerichten Eilanträge gestellt, um die familienrichterlichen Verfügungen aufheben zu lassen, auf deren Grundlage die Jugendlichen in der "Haasenburg" untergebracht worden waren. Über ihre Vorgeschichten sei ihm noch nichts Näheres bekannt, da er die Akten noch nicht kenne.

Wie am Freitagnachmittag bekannt wurde, haben die Jungen durch die Vermittlung einer Hamburger Sozialeinrichtung zwischenzeitlich eine neue Bleibe gefunden. "Sie sind an uns herangetreten und standen vor unserer Tür", sagte die Sprecherin des "Rauhen Haus" Hamburg, Sylvia Nielsen.

Bundesweit gibt es zurzeit rund 30 Jugendhilfeeinrichtungen mit geschlossenen Bereichen. Zusammen verfügen sie über 390 Plätze für eine Unterbringung mit Freiheitsentziehung. 2007 waren es nur 19 Einrichtungen mit insgesamt 260 Plätzen. Diese Entwicklung spricht für einen gestiegenen Bedarf solcher Plätze.

Für die Einweisung von Kindern und Jugendlichen in die geschlossene Unterbringung ist die Genehmigung des Familiengerichtes nötig. Es müssen eine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen und alle anderen Erziehungsmöglichkeiten vorher ausgeschöpft worden sein.

In den drei "Haasenburg"-Heimen ist laut Bildungsausschuss seit 2010 nur eine unangemeldete Kontrolle durch das Landesjugendamt als Aufsichtsbehörde erfolgt.

Mitarbeiter der "Haasenburg" in Jessern hatten vor zweieinhalb Jahren gegenüber der RUNDSCHAU vertraulich über Personalmangel und unzureichende Qualifikation einiger Mitarbeiter geklagt. Zwei Gruppen in Jessern wurden kurz darauf vorübergehend geschlossen.