Nach der vorläufigen Insolvenz des Gebäudeausstatters Imtech liegt der Bau des Berliner Großflughafens BER derzeit rund drei Monate hinter dem ursprünglich vorgesehenen Zeitplan zurück. "Der Termin im März nächsten Jahres für die Fertigstellung des Hauptgebäudes kann definitiv nicht gehalten werden", sagte Flughafengeschäftsführer Karsten Mühlenfeld am Freitag in einer von CDU und Grünen beantragten Sondersitzung des Sonderausschusses BER im Potsdamer Landtag. Und die Eröffnung des BER, die nach einer umfangreichen Probephase eigentlich für den Herbst 2017 geplant war? "Ob das den Inbetriebnahmetermin beeinflusst, kann ich nicht sagen", sagte Mühlenfeld. "Wir sind guter Dinge, dass wir es schaffen, aber es ist ein bisschen schwierig, dazu jetzt ja oder nein zu sagen." Ob es zu einer Eröffnung im Herbst 2017 komme, hänge vor allem davon ab, wie es auf der Baustelle in den nächsten Monaten weitergehe.

Mühlenfeld zufolge sei die Flughafengesellschaft von der am 16. August eingereichten vorläufigen Insolvenz der Imtech "überrascht" worden. "Wir waren uns bewusst, dass die Imtech an einigen Stellen Probleme hatte", sagte Mühlenfeld. Die Schulden des Unternehmens seien bekannt gewesen. Es sei aber nicht ersichtlich gewesen, dass eine Insolvenz bevorstehe. Der Flughafenchef betonte mehrfach, dass es rechtlich nicht möglich sei, einem Unternehmen wegen einer vorläufigen Insolvenz zu kündigen. "Das ist nur im Zusammenhang mit erheblichen Verzögerungen möglich - und erhebliche Verzögerungen sind auf unserer Baustelle ein schwer definierbares Wort." Zuletzt war der Eröffnungstermin des BER im Juni 2012 geplatzt.

Eine wesentliche Frage stellte in der Ausschussitzung der Abgeordnete Christoph Schulze (BVB/Freie Wähler): "Wie ist das eigentlich mit Haftung und Gewährleistung?" Denn ob am Flughafen alles funktioniert, erfahre man ja erst nach dessen Eröffnung. Dann aber gibt es die insolvente Firma Imtech möglicherweise schon lange nicht mehr. Wer bessert dann bei Problemen nach, wer zahlt die Kosten?

"Wenn ein Unternehmen vollständig in Insolvenz geht, ist es mit der Gewährleistung dahin", sagt Mühlenfeld. "Wir gehen aber davon aus, dass die Imtech in irgendeiner Form weiter existiert."

Der Flughafenkoordinator der Landesregierung und Aufsichtsratsvorsitzende des BER, Staatssekretär Rainer Bretschneider, sprach vor den Abgeordneten von einer "sehr ernsten Situation, was den Fertigstellungstermin angeht". Er halte den angepeilten Eröffnungstermin im Herbst 2017 aber noch für realistisch. "Die Geschäftsführung muss jetzt alles dafür tun, dass wir im Rahmen bleiben", sagte Bretschneider.

Und als der Staatssekretär anschließend aus der Sitzung des Aufsichtsrats-Projektausschusses berichtete, fiel noch ein bemerkenswerter Satz, der wie kein anderer die Situation des BER seit der jüngstenVerschiebung des Eröffnungstermins beschreibt: "Das, was wir im Moment tun, ist eher ein operatives Flickwerk an den Systemen."