Die Rheinische Post berichtete am Mittwoch, der Chef der Energie-Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, habe bestätigt, dass der fünftgrößte deutsche Energie-Versorger Steag Interesse an der ostdeutschen Braunkohle des schwedischen Konzerns Vattenfall habe. "Es hat erste Gespräche gegeben", wird Vassiliadis, der auch stellvertretender Aufsichtsrats-Chef der Steag ist, zitiert. "Sollte es zu einer großen Lösung für die Braunkohle kommen, könnte ich mir gut vorstellen, dass die Steag dabei eine Rolle spielt."

Vassiliadis sei von der Rheinischen Post missverständlich wiedergegeben worden, korrigierte IG-BCE-Sprecher Christian Hülsmeier auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Es sei nur darum gegangen, ob die Steag die Kompetenz für den Erwerb habe, nicht um konkrete Kaufabsichten.

Die hatte die Steag bereits vor zwei Wochen dementiert, als die Rheinische Post erstmals von einem Steag-Interesse an der Vattenfalltochter berichtete. "Wir können nicht ausschließen, dass wir durch unsere Kompetenz immer wieder von Dritten als potenzielle Erwerber ins Gespräch gebracht werden", erklärte die Leiterin Unternehmenskommunikation der Steag, Frauke Riva, am Mittwoch erneut. Es gebe aber vonseiten des Unternehmens keine Aktivitäten in Richtung Kaufinteresse.

Die Steag gehört sieben kommunalen Stadtwerken aus Nordrhein-Westfalen (NRW). Das Unternehmen betreibt in Deutschland zahlreiche Steinkohlekraftwerke, ist aber auch im Bereich erneuerbare Energie aktiv. Nach RUNDSCHAU-Recherchen könnten die Gerüchte über ein Kaufinteresse der Steag dadurch aufgekommen sein, dass Vattenfall von sich aus denkbare Erwerber anspricht.

Bisher gibt es zwei mögliche Käufer der Lausitzer Braunkohlegruben und Kraftwerke, die ihr Interesse bestätigt haben. Einer ist der tschechische Energiekonzern EPH, dem die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft Mibrag gehört. Der andere ist der teilstaatliche tschechische Stromkonzern CEZ.