Seit diesem Tag sitzen sie in Haft, weil sie in Forst (Spree-Neiße) einen 55 Jahre alten obdachlosen Mann bestialisch getötet haben. Die Gewaltorgie dauerte damals mehr als zweieinhalb Stunden. Das Opfer soll Max, den minderjährigen Sohn von Olaf Sch., sexuell missbraucht haben, als der Vater im Gefängnis saß. Deshalb hatten die Angeklagten, die sich in der Justizvollzugsanstalt kennengelernt hatten, dem Mann nicht nur ein Messer in das Herz gerammt und ihm den Hals aufgeschnitten, sondern ihm auch noch den Penis abgetrennt. All das haben die Täter fotografiert. Die Bilder ihrer grauenvollen Selbtsjustiz wollten sie zur Abschreckung ins Internet stellen.
Das Landgericht Cottbus hatte die beiden Angeklagten im Mai 2007 im Penismord-Prozess wegen Totschlags zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt (die RUNDSCHAU berichtete). Rechtskräftig ist das Strafmaß bis heute nicht. Seit gestern berät eine anderen Strafkammer des Landgerichtes darüber.

BGH kassiert Strafmaß
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil im Juni dieses Jahres kassiert. Der Tatablauf sei vom Cottbuser Gericht seinerzeit zwar fehlerfrei festgestellt worden, die Strafe aber möglicherweise zu gering ausgefallen, monierten die höchsten bundesdeutschen Strafrichter. Weil die beiden Angeklagten bei der Tat stark betrunken waren, hatte das Gericht die mögliche Höchststrafe von 15 Jahren wegen Totschlags reduziert.
Der BGH gab der Staatsanwaltschaft zum Teil Recht. Diese hatte lebenslange Haftstrafen wegen Mordes gefordert und den Cottbuser Richterspruch moniert.
Elf Monate lang an 33 Prozesstagen hatte die 1. Große Strafkammer damals verhandelt. Das Urteil und die Begründung umfasst 92 Seiten. Erkennbar auseinandergesetzt mit der Frage, ob die Angeklagten sich bewusst betrunken haben, wohl wissend, dass Alkohol ihre Aggressivität steigert, haben sich die Richter nicht, kritisierte der BGH.

Angeklagte schweigen
Die neue Schwurgerichtskammer am Landgericht Cottbus unter Vorsitz von Stefan Fiedler verordnete sich gestern erst einmal eine Klausur. Denn zumindest die beiden Schöffinnen, die ehrenamtlich mit Recht sprechen sollen, kennen das umfangreiche Papier noch nicht. Entscheiden muss das fünfköpfige Richtergremium zudem über einen Antrag von Verteidiger Bernd Borgmann, seinen Mandanten Olaf Sch. erneut von einem medizinisch-psychiatrischen Gutachter untersuchen zu lassen. Sch. habe seit frühester Jugend Alkohol konsumiert. Er sei süchtig und nach einer Phase der Abstinenz während der Verbüßung einer Freiheitsstrafe unmittelbar nach seiner Entlassung kurz vor der Tat rückfällig geworden, sagte Borgmann.
Die Angeklagten aus Cottbus und Forst, die beide verheiratet sind, schwiegen gestern im Gerichtssaal. Nach Ende des ersten Prozesstages wechselten sie – bewacht von Gefängnisbeamten – lediglich mit Angehörigen ein paar Worte. Ob sie dem Gericht Rede und Antwort stehen, ließen sie offen.
Der Prozess wird am 24. September fortgesetzt.