Von Heidrun Seidel

„Wie gestaltet man nachhaltig ein motivierendes Arbeitsumfeld für unterschiedlichste Menschen?“ Und das trotz zunehmender Arbeitsaufgaben?

Mit diesem brisanten und für viele Unternehmen und Einrichtungen aktuellen Thema setzten sich Mitarbeiter der Neuen Bühne Senftenberg innerhalb einer Veranstaltungsreihe, die bundesweit von der Stiftung Genshagen in diesem Frühjahr organisiert wird, auseinander. Ihr Titel, „Diversität in Arbeit“, klingt nach Soziologensprache und scheint kaum greifbar.

Konkret wird das schon anschaulicher: Die Reihe will zum Austausch darüber anregen, wie Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen in der Arbeits- und auch Lebenswelt angenommen, entwickelt und besser genutzt werden können. Die Neue Bühne Senftenberg ist der zweite Ort, der dafür ausgewählt wurde.

Manager aus Unternehmen berichten dabei in kulturellen Einrichtungen und vor von diesen eingeladenen Unternehmensvertretern der Region über ihre Erfahrungen beispielsweise in der Arbeitsorganisation, Kundenbindung oder Produktentwicklung. Doch sind die überhaupt übertragbar – von Wirtschaft auf Kulturschaffende? „Eine typische Abwehrreaktion“, weiß Friedrich Rößiger, Schauspieler und seit kurzem Teamleiter für Kommunikation und Marketing an der Neuen Bühne. Doch gerade die Arbeitsweisen oder die Unternehmensphilosophie aus nicht konkurrierenden Bereichen könnten anregen, über die eigene Arbeitswelt nachzudenken.

Diese ist oft von hohem Arbeitsdruck, Schnelllebigkeit und andauernden Veränderungen geprägt. In vielen Unternehmen und Einrichtungen – in der Lausitz und deutschlandweit – sind die Anforderungen an die einzelnen Mitarbeiter gestiegen. Meist mit Folgen wie Mehrarbeit und Überlastung. Das Miteinander bleibt auf der Strecke. Resignation, Krankenstand und Unzufriedenheit wachsen.

Hotelmanager Marc Stickdorn aus dem Landhotel Friesland der Hotelkette Upstalsboom hat eine solche Unternehmenssituation auch kennengelernt. Er weiß aber auch, wie es gelingen kann, sie zu überwinden.

Ihn hat Projektleiter Moritz von Rappard von der Stiftung Genshagen als Impulsgeber für diese zweite, die Senftenberger Veranstaltung dieser Reihe, eingeladen. Er berichtet von der schrittweisen Veränderung der Unternehmensphilosophie. Die gehe von der Wertschätzung der unterschiedlichen Mitarbeiter vom Zimmermädchen bis zum Küchenchef aus, davon, sie in ihren Stärken zu stärken, ihnen Vertrauen und Verantwortung zu übertragen und sie dort einzusetzen, was ihnen am besten liegt.

Als Chef greife er kaum ins operative Geschäft ein, „Entscheidungen werden bei uns von Bereichsleitern getroffen, nicht von mir als Hotelchef. Die wissen besser, was in der Küche, im Service oder an der Rezeption zu tun ist.“

Außerdem gebe es regelmäßige Mitarbeitergespräche. Da gehe es nicht um die Info vom Chef, sondern um die Bedürfnisse der Mitarbeiter. Dabei stehe Geld gar nicht immer an erster Stelle. Sein Unternehmen pflege eine menschen- und sinn­orientierte Philosophie, die deutlich gemacht habe, dass der Schlüssel zum Erfolg die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei. Der Weg dorthin gelinge nicht von heute auf morgen und ende auch nie. „Und hart und viel gearbeitet wird bei uns natürlich auch.“

Für Friedrich Rößiger war die Gesprächsrunde mit ihren anschließenden Workshops ein „toller Anstoߓ. Die Fragen eines motivierenden Arbeitsumfeldes könne man sich nahezu in jedem Betrieb stellen. Wer das ehrlich tut, ist schon den ersten Schritt gegangen. Dazu will die Neue Bühne in der Region anregen.

„Auch bei uns im Hause haben sich durch zusätzliche Aufgaben und Mehrbelastung Unzufriedenheiten eingeschlichen“, räumt er offen ein. Doch Meckerei und schlechte Stimmung würden da wie im privaten Leben nicht weiterhelfen. Man müsse Veränderungen selbst anschieben.

Nach der Runde habe sich nun eine Gruppe gefunden, die Anregungen für Veränderungen in einigen Abläufen ins Gespräch bringen will. Als Erstes wolle man sich einer besseren innerbetrieblichen Kommunikation widmen.

Wenn auch andere Teilnehmer für ihr Unternehmen Anregungen für erfolgreiche Arbeitsweisen aufnehmen, sieht Projektleiter Moritz von Rappard den mit der Veranstaltung angestrebten Erfahrungsaustausch gelungen.

Nun stehen noch Gespräche zu weiteren Themen der „Diversität in Arbeit“ in Leipzig, Peine, München, Bremerhaven, Weimar und Regensburg an.