Wie schwierig dabei der praktische Teil zu bewältigen ist, erlebten gestern Fahrlehrer auf dem Dekra-Testoval in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz).
Heiko Siefkes’ Blick hängt an zwei Fässern fest. Sie stehen zehn Meter vor ihm auf einer Höhe nebeneinander. Auf Siefkes’ Handzeichen hin rückt sie ein Mitarbeiter der Dekra noch dichter zusammen. Sie stehen jetzt keine drei Meter auseinander. Siefkes Bus misst in der Breite 2,50 Meter. Langsam lässt er ihn anrollen. Im Schritttempo, den Blick auf das fahrerseitige Fass gerichtet, versucht Siefkes durch das Nadelöhr zu steuern. Doch er touchiert ganz leicht – und muss es noch mal probieren.

Punkte sammeln mit Zeitlimit
„Breite einschätzen“ heißt die Übung, an der sich der Dresdner Busfahrer auf dem Dekra-Testoval versucht hat. Sie ist erst dann erfolgreich absolviert, wenn der Bus zwischen zwei Fässer durchgefahren ist, die weniger als drei Meter auseinander stehen. Zuvor musste Siefkes den Bus von Tempo 30 möglichst sanft abbremsen und dabei die zehn Meter des vorgegebenen Bremsweges voll ausnutzen. „Zielbremsung“ nennt sich dieser Übungsteil. Der letzte heißt „Vorbeifahren an Hindernissen“ . Ein eng gesteckter Slalom-Parcours, durch den sich das zwölf Meter lange Gefährt hindurchwinden muss. Die IHK-Prüfungsordnung sieht vor, diese drei „kritische Situationen“ in einer Stunde hintereinander zu meistern. Für jede gibt es mindestens zehn Punkte. Am Ende muss der Kandidat mindestens die Hälfte der erreichbaren Punkte haben.
Vorher ist er dann aber schon eine vorgegebene Strecke in zwei Stunden durch den fließenden Verkehr gefahren und hat sich in einem weiteren praktischen Teil eine halbe Stunde mit Dingen wie Abfahrkontrollen und Ladungsbefestigung befasst. Außerdem gehört ein vierstündiger theoretischer Teil zu der Prüfung.
Neben Heiko Siefkes kamen 34 weitere Fahrlehrer nach Klettwitz, um die neue Berufskraftfahrer-Qualifikation kennenzulernen. Die meisten aus Brandenburg, einige aus Sachsen. Steffen Geißler von der Dekra schritt mit ihnen den Prüfparcours ab. Schließlich, erklärt er, müssen sie ihre Fahrschüler fit machen für die neue Prüfung, die bis 2010 EU-weit für mehr Sicherheit auf den Straßen und für größere Professionalität hinterm Steuer sorgen soll. Wer ab dem 10. September dieses Jahres den Busführerschein macht, kommt an der neuen Berufskraftfahrer-Qualifikation nicht vorbei. Lkw-Führerschein-Kandidaten steht sie ab September nächsten Jahres bevor.
„Eine gute Sache“ , findet Fahrlehrer Andreas Thiem aus Senftenberg. Schließlich haben Bus- und Lkw-Fahrer auf den Straßen immer weniger Platz. „Früher kam auf drei Familien ein Auto, heute hat fast jede Familie drei Autos.“ Entsprechend eng sei es auf Straßen und Parkplätzen geworden. Dieser veränderten Situation trägt die Prüfung Rechnung, gerade der Teil „Kritische Situationen“ .

„Sicherheit hat ihren Preis“
Fahrlehrer allerdings verdienen auch an der neuen Berufskraftfahrer-Qualifikation. Sie kostet den Prüfling inklusive der Fahrstunden 7000 bis 8000 Euro, schätzt Wolfgang Westermann, Präsident der Bundesvereinigung der Berufskraftfahrer. Für ein Gewerbe, sagt er, dem aufgrund der Altersstruktur, des Lohngefüges und der Arbeitszeiten langsam die Fahrer ausgehen, sei das nicht unproblematisch.
Dennoch ist Westermann überzeugt: „Sicherheit hat ihren Preis.“ Europaweit geltende Standards für mehr Professionalität am Steuer seien gerade für ein Transitland wie Brandenburg wichtig. Die optimale Qualifizierung allerdings, stellt Wolfgang Westermann klar, sei nach wie vor die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer .