Der Chef des Landeskriminalamtes (LKA), Axel Lüdders, bezifferte den rechnerischen Gesamtschaden der in Brandenburg registrierten Straftaten auf rund sieben Millionen Euro im Jahr 2002. Rechne man die Gewinne aus Straftaten hinzu, komme man auf eine geschätzte Summe von 15 bis 16 Millionen Euro, "die abgeschöpft werden kann", so Lüdders.
Nach Angaben des LKA-Chefs soll nicht nur bei den Urhebern schwerer Straftaten, insbesondere auch im Wirtschaftsbereich, Vermögen abschöpft werden. Auch jene, die "kleine und mittlere Delikte" begingen, sollten mit ihrem Vermögen zur Rechenschaft gezogen werden. Bisher geschehe das völlig ungenügend. Die Täter müssten merken, dass Straftaten sich nicht lohnten, so Schönbohm.
Eine Arbeitsgruppe des Innen- und Justizministeriums soll jetzt Polizisten und Staatsanwälte gezielt anleiten, "von der Vermögensabschöpfung intensiver Gebrauch zu machen". Außerdem will das Landeskriminalamt mehr Beamte für notwendige Ermittlungen abstellen. Der oberste Kriminalist im Innenministerium, Rainer Grieger, sprach von einem "Kraftakt", da alle Polizeidienststellen einbezogen würden. Die eingezogenen Vermögenswerte sollen nicht allein der leeren Staatskasse zugute kommen, sondern auch den Opfern.

Erschreckend hohe Jugendkriminalität
Als weiteren Schwerpunkt der Kriminalitätsbekämpfung nannte Schönbohm die Jugendkriminalität. Während die Zahl der registrierten Straftaten im letzten Jahr insgesamt leicht um rund 2200 auf 244 328 zurückgegangen und damit der niedrigste Stand seit 1994 erreicht worden ist, bezeichnete Schönbohm den Anteil der jugendlichen Täter an der Gesamtkriminalität als "erschreckend hoch". Über 30 Prozent aller Tatverdächtigen seien jünger als 21, bei Gewalttaten gehöre sogar jeder zweite Tatverdächtige dieser Altersgruppe an. Obwohl der Anteil der unter 21-jährigen an der Bevölkerung nur 21,5 Prozent beträgt, sind sie bei den Gewaltakten überrepräsentiert. Der Minister sprach von einer "schleichenden Verrohung" im Land, der entschieden entgegengetreten werden müsse. Denn trotz des positiven Gesamttrends ist die Zahl der Roheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit um 0,8 Prozent auf 21 754 Fälle gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Allein die Zahl der Körperverletzungen erhöhte sich um 1,6 Prozent auf 13 077. Auch die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nahmen um 12 Prozent auf 1610 zu. Um 2,5 Prozent auf 14 268 gestiegen ist die Anzahl der Straftaten gegen das Ausländer- und Asylverfahrensgesetz.

Weniger Morde und Diebstähle
Zu den Straftaten mit sinkender Tendenz gehören Mord (von 34 auf 25 Fälle gegenüber dem Vorjahr), Totschlag (von 62 auf 45), Raubüberfälle auf Banken (von 57 auf 37) sowie sonstige Raubüberfälle (von 683 auf 656) - aber auch Diebstahl von Kraftfahrzeugen, Ladendiebstahl, Wohnungseinbrüche am Tage und Brandstiftung.
Insgesamt ermittelte die Polizei im letzten Jahr 93 599 Tatverdächtige, 21,7 Prozent davon waren laut Statistik Nichtdeutsche. Von den registrierten 244 328 Straftaten konnten 134 540 oder 55,1 Prozent aufgeklärt werden. Brandenburg liege mit dieser Aufklärungsquote in Deutschland in der Spitzengruppe.

Statistik Regionalvergleich
 Vergleicht man die regionale Kriminalitätsbelastung liegen die Schutzbereiche Oder-Spree/Frankfurt, Cottbus/Spree-Neiße sowie Potsdam mit rund 31 000, 29 000 sowie 23 000 erfassten Fällen an der Spitze. Allerdings: Während die registrierten Straftaten in den Schutzbereichen Oder-Spree/Frankfurt sowie Potsdam um 3,2 bzw. 8,1 Prozent zurückgegangen sind, nahmen sie in Cottbus/Spree-Neiße um 2,1 Prozent zu. Bezogen auf 100 000 Einwohner liegen die drei Regionen mit je über 11 000 Straftaten dicht beieinander, während der Schutzbereich Elbe-Elster mit rund 6000 Fällen die geringste Kriminalität je 100 000 Einwohnern aufweist.