"Slalom fahren ist erlaubt, Kreisverkehr nicht."
 Franz Müntefering zum künftigen Kurs der SPD



Führende Vertreter der FDP reagierten jedoch skeptisch bis ablehnend. Unterdessen wiesen CDU und FDP Berichte zurück, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und FDP-Chef Guido Westerwelle hätten Weichenstellungen für eine Jamaika-Koalition unter Einschluss der Grünen verabredet. Die CDU-Vorsitzende Merkel warnte davor, nun die Arbeit der Großen Koalition schlechtzureden. "Es wäre völlig absurd, jetzt schon mit dem Wahlkampf zu beginnen", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch Außenminister Steinmeier will keine verfrühte Auseinandersetzung: "Bis zum Wahlkampf sind es noch mindestens acht Monate", sagte er der "Bild"-Zeitung.
Müntefering sagte zur Kooperation mit der FDP: "Ich glaube, dass es im Kern gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit gibt." Der frühere Vizekanzler erinnerte an die erste sozialliberale Koalition im Bund: Dieses Bündnis unter Kanzler Willy Brandt (SPD) und Außenminister Walter Scheel (FDP) habe es Deutschland nach 1969 erlaubt, "den Mief rauszulassen", sagte Müntefering am Samstag nach einer Vorstandsklausur der nordrhein-westfälischen SPD in Kleve.

Skepsis bei den Liberalen
Außenminister Steinmeier hatte zuvor in der "Süddeutschen Zeitung" einer Koalition mit Freidemokraten und Grünen für 2009 ebenfalls gute Chancen eingeräumt: Die FDP zeige "Neugier" gegenüber der personell neu aufgestellten SPD. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte allerdings der "Bild am Sonntag": "Da ist der Wunsch der Vater des Gedankens." Er wies erneut darauf hin, die Kandidatur von Gesine Schwan (SPD) für das Amt des Bundespräsidenten gegen den angesehenen Amtsinhaber Horst Köhler sei für die FDP problematisch. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel beurteilte das Vorpreschen der SPD ebenfalls skeptisch: "Steinmeier sollte sich nicht überschätzen und glauben, nur mit einer optischen Veränderung sei die SPD plötzlich inhaltlich attraktiv geworden", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Er forderte Steinmeier auf, zunächst das Verhältnis der SPD zur Linkspartei zu klären. "Man kann keine Brücken zur FDP bauen, wenn man gleichzeitig Tunnel zu den Kommunisten buddelt."

Grüne bevorzugte Partner
Müntefering sieht die größte Schnittmenge der SPD nach wie vor mit dem früheren Koalitionspartner Grüne. Eine Regierung mit der Partei Die Linke nach der Bundestagswahl 2009 sei dagegen "völlig undenkbar". Dennoch bleibe es dabei, dass die SPD-Landesverbände selbst über eine Zusammenarbeit mit der Linken entscheiden können. Vor der Wahl müsse aber klar gesagt werden, was danach gelte, sagte Müntefering in Anspielung auf Hessens SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti.
Die Bundesbürger sehen die Erfolgsaussichten der neuen SPD-Doppelspitze überwiegend skeptisch. Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) nannten die Chancen des Duos Müntefering/Steinmeier, Kanzlerin Merkel abzulösen, "eher gering" (53 Prozent) oder "sehr gering" (18 Prozent). Nach einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" traut eine ebenso klare Mehrheit (72 Prozent; SPD-Wähler: 54 Prozent) den beiden Politikern nicht zu, dass sie mit der SPD wieder auf das Ergebnis der Bundestagswahl 2005 kommen (34,2 Prozent).
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der vor einer Woche den SPD-Vorsitz im Bund verärgert niedergelegt hatte, wurde unterdessen in seiner Heimat mit einem triumphalen Ergebnis erneut zum Landesvorsitzenden gewählt. Nur zwei von 411 Delegierten stimmten am Samstag in Mainz gegen ihn, das entsprach 99,5 Prozent. (AFP/dpa/uf)