Es war Gerhard Stein, der den Blaudruck nach Pulsnitz brachte. Kurz nach Kriegsende 1945 hatte sich der aus Schlesien Vertriebene in der Pfefferkuchenstadt niedergelassen und brachte eine in seiner Heimat seit 1633 praktizierte Kunst mit: den Blaudruck. Die Werkstatt war schnell eingerichtet. Bis 1972 blieb Stein Inhaber, dann übernahm die Stadt Pulsnitz den Betrieb. Das blieb so bis 1993. „Dann wurde privatisiert, da die Stadt nicht länger der Betreiber sein konnte“ , erinnert sich Alfred Thieme, der damals schon viele Jahre lang die Werkstatt geleitet hatte.

Auf eigene Faust
Also entschloss er sich, den Betrieb in die eigenen Hände zu nehmen und mit zunächst sechs Beschäftigten weiterzuführen. Doch die wirtschaftliche Lage wurde immer schwieriger und so musste Alfred Thieme im Jahre 1999 sämtliche Mitarbeiter entlassen. Alleine versuchte er fortan, seinen Handwerksbetrieb am Leben zu halten. Mit Erfolg. Die finanzielle Situation entspannte sich so weit, dass dem Pulsnitzer heute wieder zwei Mitarbeiter zur Seite stehen. Eine von ihnen, Constanze Gnauck, bringt seit wenigen Tagen noch eine zusätzliche Facette in den Betrieb ein: Den Verkauf von original Bunzlauer Keramik. „Zu diesem Zweck haben wir im Erdgeschoss einen Verkaufsraum neu eingerichtet“ , sagt Alfred Thieme und freut sich sichtlich. „So hoffen wir, unseren Besuchern einen noch besseren Service zu bieten und einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Touristenbetreuung in unserer Stadt zu leisten.“ Auch die neue Schauwerkstatt soll Besuchern den Werdegang der kunstvoll bedruckten Tücher hautnah veranschaulichen.
Constanze Gnauck ist schon seit mehreren Jahren mit der Arbeit in der Blaudruckwerkstatt vertraut: „Ich habe immer wieder mal aus Spaß an der Freude ein bisschen mit gedruckt“ , erinnert sie sich und schmunzelt. Umso mehr freue sie sich, Alfred Thieme jetzt professionell unter die Arme greifen zu können. Thieme nickt und pflichtet ihr bei: „Als gelernte Keramikmalerin bringt sie auch das fachliche Rüstzeug mit“ , betont er. Und so unterstützt die 35-Jährige den Meister in der Werkstatt und betreut den Keramik-Verkauf.
Dass es sich beim Blaudruck noch um echtes, unverfälschtes Handwerk handelt, macht ein kleiner Rundgang durch die Werkstatt deutlich. Zunächst werden die Baumwolltücher mit der Reserve bedruckt. „Kunstfasern eignen sich nicht“ , erklärt Thieme und streicht über den Stoff. Das Bedrucken geschieht mit Modeln, die von einem Nachbarn in mühevoller Kleinarbeit hergestellt werden. „Das Rezept für die Reserve wird nur mündlich weitergegeben“ , erklärt Alfred Thieme und verrät immerhin, dass darin Grünspan und Salpeterblei enthalten seien. Die so behandelten Tücher versenkt der Blaudrucker dann in der Färberei in zweieinhalb Meter langen Bottichen, die mit Indigofarbe gefüllt sind: „Diesen Vorgang muss ich bis zu achtmal wiederholen“ , erklärt Alfred Thieme geduldig weiter.

Luft sorgt für Farbe
Erst an der Luft erhalte das zunächst grünlich schimmernde Tuch seine tiefblaue Farbe. „Da die Reserve die Farbe abweist, bleiben die vorbehandelten Stellen weiߓ , sagt Thieme und zeigt auf das feine weiße Muster auf blauem Grund.
Damit die Kunst des Blaudrucks auch noch lange in der Zukunft erhalten bleibt, will Alfred Thieme in seiner Pulsnitzer Werkstatt im nächsten Jahr Blaudruck-Kurse für Interessierte anbieten. Er lacht: „Wer weiß - vielleicht findet sich ja auf diesem Weg ein neuer Meister.“

Service Adresse und Kontakt
 Die Blaudruckwerkstatt Pulsnitz von Dipl.-Ing. Alfred Thieme liegt an der Bachstraße 7 in 01896 Pulsnitz. Telefonisch ist die Werkstatt unter der Nummer 035955/73873 zu erreichen, per Fax unter 035955/43931 und per Mail unter: blaudruckpulsnitz@t-online.de. Auch die Internetseite des Betriebs: www.blaudruck-pulsnitz.de bietet weitere Informationen. Geöffnet ist die Werkstatt samt Laden von Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr. Führungen sind nach Voranmeldung möglich.