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Neue Rekorde bei den Gästen

Spreewald, Seenland, Lausitz – die Zugpferde der heimischen Tourismuswirtschaft funktionieren.
Spreewald, Seenland, Lausitz – die Zugpferde der heimischen Tourismuswirtschaft funktionieren. FOTO: dpa
Neuhardenberg. Tourismusbarometer für Ostdeutschland zeigt, dass Brandenburg gut aufgestellt ist. Auch 2017 geht der Boom bei den Besucherzahlen weiter. Benjamin Lassiwe / iwe1

Brandenburgs Touristiker können sich über neue Rekorde freuen. Im ersten Halbjahr 2017 haben alle Brandenburger Reisegebiete Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr gemeldet - besonders in der Niederlausitz, wo immerhin 9,4 Prozent mehr Gäste übernachteten. Im Lausitzer Seenland und im Elbe-Elster-Land gab es sogar überdurchschnittliche Zuwächse bei den Übernachtungszahlen. Das sagte der Tourismusexperte Manfred Zeiner am Donnerstag bei der Präsentation des diesjährigen Tourismusbarometers des Ostdeutschen Sparkassenverbands im ostbrandenburgischen Neuhardenberg.

"Wir blicken insgesamt auf ein gutes Tourismusjahr 2016 zurück", sagte auch Sparkassenverbandspräsident Manfred Ermrich. "Das Land Brandenburg hat sich für Ostdeutschland zu einem Wachstumsmotor entwickelt."

Die Vorsitzende des Landestourismusverbands Brandenburg, Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD), nannte den Tourismus in Brandenburg "ein Stück Lebensqualität, für die Gäste wie für die Einheimischen." Viele Unternehmen hätten in den letzten Jahren ihre Angebote weiterentwickelt und behaupten sich erfolgreich am Markt. "Derzeit haben wir mehr als zwölf Millionen Übernachtungen", so Stark. "Wir sind auf Erfolgskurs, wir haben allen Grund, selbstbewusst und stolz zu sein." Allerdings müsse der Erfolg immer wieder neu erarbeitet werden: "Wenn man stromaufwärts paddelt und stehen bleibt, fällt man zurück."

Zeiner zufolge seien 91 Prozent der Gastronomen und 95 Prozent der Beherbergungsbetriebe in Brandenburg der Ansicht, dass die Geschäftslage gut sei. Ein Problem gibt es allerdings bei der Freizeitwirtschaft: Im ersten Halbjahr 2017 kamen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 4,8 Prozent weniger Besucher in die Kultur- und Freizeiteinrichtungen des Landes. Zum Vergleich: In ganz Ostdeutschland beträgt der Rückgang gerade einmal 0,3 Prozent.

Die Museen und Ausstellungen hatten im Vergleich zum Vorjahr rund 13,5 Prozent weniger Besucher. Die Burgen und Schlösser verzeichneten dem Tourismusbarometer zufolge einen Rückgang von 8,2 Prozent, die Kirchen trotz des in Berlin durchgeführten Evangelischen Kirchentags und des Lutherjahres ein sattes Minus von 6,3 Prozent.

Einen örtlichen Nachfrageboom gibt es dagegen in Potsdam - die dortige Hotelbranche verzeichne Zeiner zufolge "einen spürbaren Barberini-Effekt" seit der Eröffnung des gleichnamigen Museums. Hoffnung mache auch der Luther-Pass des Landkreises Elbe-Elster, von dem schon 50 000 Exemplare verteilt worden seien.

Bei den ausländischen Gästen verzeichnet das Land dagegen deutliche Einbrüche bei Übernachtungsgästen aus den Niederlanden und aus Polen: Fast 20 Prozent weniger Niederländer und rund zehn Prozent weniger Polen kamen im ersten Halbjahr 2017 in die Mark. Bei der Qualität der Angebote und der Gästezufriedenheit liegt Brandenburg dagegen leicht hinter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Nur 81,4 Prozent der Gäste waren im vergangenen Jahr zufrieden mit ihrem Brandenburg-Urlaub, der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 82,5 Prozent. "Es finden in Brandenburg noch immer zu wenig Qualitätsmessungen statt", sagte Mathias Feige, der zusammen mit Zeiner das Barometer erstellt hatte.

Nur ein Viertel aller Betriebe im Land nehme an Qualitätsinitiativen teil, nur 36 Prozent hätten eigene Qualitätsbeauftragte.

Doch für die Zukunft der Tourismuswirtschaft in Brandenburg ist gerade die Qualität des Angebots von größter Bedeutung, machte Sparkassenchef Ermrich klar. "Ein Immer mehr an Gästen kann nicht überall die Lösung sein", sagte er am Donnerstag. "Wir müssen uns stärker darauf besinnen, die Wertschöpfung durch den Tourismus zu stärken und die Gäste mit Kundennähe und Qualität zu überzeugen."