Ein Flachbildfernseher flimmert zwischen zwei Fenstern, vor denen Gardinen hängen. Fotos zieren die Wand über dem Bett, das mit einer Tagesdecke abgedeckt ist. Der individuell eingerichtete Raum mit Kochnische und abgeteiltem Bad wirkt wie eine Einraumwohnung. Die Tür hinaus führt auf den nüchtern wirkenden Gang eines Hauses, das auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bautzen steht.

20 Bewohner in Bautzen

Die derzeit 20 Bewohner wohnen nicht freiwillig in dem Gebäude. Sie sind besonders schwere Straftäter, die auch nach Verbüßung ihrer Haftstrafe nicht in die Freiheit entlassen werden.

Sicherungsverwahrung nennt sich die besondere Art der Unterbringung, die sich allerdings deutlich von Gefängnishaft unterscheiden muss, wie die dafür zuständige Abteilungsleiterin in der JVA Bautzen, Claudia Ramsdorf bei der Präsentation der Räume erläuterte.

Zum Schutz der Gesellschaft

Zwar bekämen die Betroffenen ein "Sonderopfer" auferlegt - als letztes Mittel zum Schutz der Gesellschaft vor gefährlichen Straftätern. Allerdings sei ihre Unterbringung klar abzugrenzen. So hatte es das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil vom Mai 2011 festgelegt.

Auch Sachsen musste deshalb neuen Platz für seine im Moment 22 Sicherungsverwahrten schaffen und wählte dafür das Gefängnisgelände in Bautzen aus. Für insgesamt 7,4 Millionen Euro wird derzeit ein zweigeschossiges Haus umgebaut. Eine Gebäudehälfte ist bereits saniert. Die 20 Einzelzimmer darin seien seit 1. Juni belegt, sagt Anstaltsleiter Bernhard Beckmann.

Gesetzliche Grundlage

Zu diesem Zeitpunkt trat das Gesetz zur Sicherungsverwahrung in Kraft, das der Landtag im Frühjahr verabschiedete. Zwei Personen seien derzeit noch an anderen Standorten untergebracht.

Sicherungsverwahrung wird nach schwerer Gewalt oder Sexualstraftaten angeordnet. In Bautzen leben die dazu verurteilten Männer im Alter zwischen 32 und 74 Jahren nicht nur mit räumlichem Abstand zu anderen Insassen. Wer arbeiten geht, erhält einen Stundenlohn von 2,59 Euro. Für Strafgefangene fällt er mit 1,46 Euro geringer aus. Diese müssen zudem mit einer elf Quadratmeter großen Zelle auskommen. Sicherungsverwahrten stehen dagegen mindestens 20 Quadratmeter Wohnfläche zu, wie Ramsdorf sagt. Außerdem dürfen sie sich im Gebäude und auf dem eingezäunten Außergelände frei bewegen. Im Keller des Hauses sind Freizeit- und Therapieräume eingerichtet.

"Der Strafvollzug war überfordert mit der Sicherungsverwahrung", schätzt der zuständige Abteilungsleiter im sächsischen Justizministerium, Willi Schmid, ein. Künftig werden Betroffene viel intensiver betreut. Für die Sicherungsverwahrten in Bautzen zuständig sind zwei Psychologen, ein Arzt, zwei Sozialarbeiter, ein Kunst- und ein Arbeitstherapeut sowie acht Vollzugsbedienstete.

Fertigstellung Oktober 2014

Bis Oktober 2014 soll auch der Umbau der zweiten Gebäudehälfte abgeschlossen sein. Dort entstehen noch einmal zwei Wohngruppen mit jeweils zehn Einzelzimmern, einer Gemeinschaftsküche und Aufenthaltsraum. Mit insgesamt 40 Plätzen sorgt Sachsen damit vor, denn in den kommenden Jahren wird mit einem Anstieg von Straftätern gerechnet, die von der Haft in die Sicherungsverwahrung wechseln.