Doch in der ersten von einem Unternehmen, der Phorms Management AG, begründeten Privatschule der Hauptstadt läuft hinter den gewohnten Fassaden alles ganz anders ab. "Die Eltern sind unsere Kunden und sie zahlen für gute Bildung, die wir versprechen", sagt die Vorstandsvorsitzende Béa Beste. Das an Qualität und Freude am Lernen ausgerichtete Bildungsmodell soll sich von Berlin aus verbreiten. München, Frankfurt/Main, Hamburg und Köln sind die nächsten geplanten Standorte.
Privatschulen liegen stärker im Trend denn je. Nach einer Statistik der Berliner Schulverwaltung boomen sie seit dem Pisa-Schock. In Berlin besuchen rund 23 000 Schüler etwa 250 Privatschulen, allesamt getragen von Stiftungen, Kirchen, Vereinen oder Verbänden. Die Phorms Schule ist auch in diesem Bereich die erste wirklich komplett privatwirtschaftlich und am Ende bei Monatsgebühren bis zu 840 Euro auch am Geldverdienen orientierte Unternehmung. Der Plan der Berliner rot-roten Koalitionäre für den Einstieg in die Einheitsschule den Privatschulen noch mehr Auftrieb geben. "Doch wir sind nicht die Gegner der staatlichen Schulen, wir möchten mit dem staatlichen System kooperieren", versichert Béa Beste.

"Kein Kind ist blöd"
"Wir ticken nicht so, Schadenfreude haben wir nicht", sagt die Managerin. Die Konzeption der Schule stützt sich nicht auf das vielfach beklagte Versagen der allgemein bildenden öffentlichen Schulen, sondern ganz allein auf die eigene Begeisterung. "Kein Kind ist blöd, jedes Kind hat etwas, was es gut kann", heißt es zur Philosophie der "individualisierten Bildung" für die aktuell 66 Schüler. Wirtschaftlich dürfte das Projekt ab etwa 120 Schülern sein.

"Bringen Sie Freude herein"
In der einstigen Fabriketage mit ihren riesigen Fensterfronten ist die Atmosphäre offen und freundlich. Hier wacht kein knurriger Hausmeister, sondern steht der Schuldirektor Richard Hengelbrok persönlich am Eingang und empfängt Schüler, Lehrer und Besucher mit den Worten "Treten Sie ein, bringen Sie Freude herein." In den Klassenzimmern gibt es Kuschelecken, jede Menge anderer Rückzugsgelegenheiten, viel Licht und Luft. Im Lehrerzimmer können die Pädagogen auf Sofas ungeniert die Beine hochlegen.
Die Kinder werden zweisprachig unterrichtet. Aufnahmebedingung ist, dass jedes Kind mindestens eine Sprache beherrscht, Englisch ist dann die Sprachbrücke für alle. Der Ausländeranteil ist relativ gering, gut die Hälfte sind Deutsche, etwa 20 Prozent haben angelsächsische Herkunft, bei anderen ist ein Elternteil Deutsch, der andere kommt aus Ungarn, Italien, Dänemark, der Türkei oder Ghana.
Die Lehrer sind vergleichsweise jung, sehr jung sogar, im Schnitt um die 35 Jahre. Grundschulleiterin Celia Budge, die früher an einer Grundschule nahe London unterrichtete, fällt mit ihren 57 aus dem Rahmen. "Ich wollte alle meine Erfahrungen und Enthusiasmus für die Bildung junger Kinder nutzen, um eine wirklich traumhafte Schule in Deutschland aufzubauen", sagt sie. Die Ausstattung ist eine Grundlage dafür. Statt Schiefertafeln hängen Smart Boards an den Wänden, die Oberfläche kann wie ein Laptop oder Computer-Bildschirm genutzt werden.
Die Berliner Schulverwaltung hatte keine Probleme mit dem Experiment mitten im Wedding. Seit Juli hat die Schule die Genehmigung und ging im August mit Grundschülern in Betrieb.