Der 1933 fertig gestellte Stahl-Skelett-Bau wurde erst vor wenigen Jahren aufwändig saniert. Nun gibt es Pläne, weitere Details im Haus originalgetreu wieder herzustellen - wenn die Stadt Löbau als Eigentümerin das Geld dafür auftreiben kann.
"Das Haus Schminke fehlt in keinem Architekturlexikon", weiß Jos Tomlow, Architekturprofessor an der Hochschule Zittau/Görlitz. "Es ist eines der wichtigsten Wohnhäuser der Moderne in Deutschland." Ebenso wie etwa das Haus Tugendhat von Mies van der Rohe im tschechischen Brno oder die Villa Savoye von Le Corbusier in Poissy bei Paris ist das Denkmal in Löbau ein herausragendes Beispiel für "Neues Bauen" in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Scharouns Werk neben der 1992 stillgelegten Nudelfabrik erinnert an etlichen Stellen an ein Schiff - deshalb hieß der Wohnbauklassiker im Volksmund auch "Nudeldampfer". Zu DDR-Zeiten wurde das Denkmal als Klubhaus der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und später als Haus der Pioniere genutzt, nach der Wende war es Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche.
Die Familie Schminke wohnte zwölf Jahre in dem Löbauer Haus. Möglichst so ursprünglich wie damals würde Storch es gern zeigen. Als in diesem Jahr die beiden zugeschütteten Teiche im Garten rekonstruiert wurden, kamen erstaunliche Funde zum Vorschein. Der Kamin etwa, der einst frei im Wohnzimmer stand, wurde in Einzelteilen zu Tage gefördert. "Das war eine Überraschung", gesteht Bürgermeister Guido Storch (CDU). Die Fragmente aus Marmor lagern vorerst im Keller. "Wir würden den Kamin gern wieder aufbauen. Dafür brauchen wir einen Sponsor." Mindestens 50 Jahre lagen auch die Leuchten aus dem Wohnzimmer im Teich. Die geborgenen Originale sind zwar verrostet, könnten aber als Vorlage für einen Nachbau dienen.
Alle Fundstücke sollen katalogisiert werden, um zu erfassen, was zum Haus gehört und noch zu verwenden ist. Komplettiert wurde unterdessen die seinerzeit überaus moderne Einbauküche. Dort haben sich die meisten Löcher gefüllt, in denen einst Gewürzgläser und Gefäße für Zutaten wie Zucker, Mehl und Gries steckten. Zuletzt wurden in einem Internet-Auktionshaus neun Schütten aus Aluminium ersteigert - exakt vom gleichen Hersteller der verschwundenen Originalteile.
Allmählich spricht sich herum, dass in Löbau ein einzigartiger Bau der klassischen Moderne steht. Die Besucherzahlen wachsen ebenso wie Anfragen von Hochschulen und Universitäten. Gäste dürfen im Haus übernachten. "Es entwickelt sich", freut sich Storch. Seit der Betrieb des Hauses in den Händen der Stadt liegt, hat sich einiges geändert. Bis Anfang dieses Jahres organisierte ein Verein die Nutzung. Für Familien- oder Firmenfeiern werden die Räume nur noch vermietet, wenn Mitarbeiter vor Ort sind. Denn manche Party in der Vergangenheit ging nicht spurlos an dem Denkmal vorbei. Schäden an sorgfältig aufgearbeiteten Türen und original erhaltenen Einbauschränken waren unter anderem die Folge.
Das Haus Schminke war 1999/2000 für rund 1,6 Millionen Euro saniert worden. Die Hälfte davon steuerte die in Ludwigsburg ansässige Wüstenrot-Stiftung bei. An einem verträglichen Nutzungskonzept wird noch gearbeitet. "Wir fangen völlig neu an", sagt Storch. Workshops, Tagungen, Seminare, Lesungen und Ausstellungen sollen das Denkmal verstärkt füllen. Eine Mischung von Kulturhaus und Museum stellt er sich vor: "Das Haus ist Exponat genug." Dem Bürgermeister liegt daran, dass trotz ausgesprochen knapper Kassen nicht nur darauf geschaut wird, ob sich alles betriebswirtschaftlich rechnet. Schließlich gelte es, ein Architekturdenkmal für die Öffentlichkeit zu bewahren. Infos im Internet: www.hausschminke.de