Doch drei Monate vor der Aufnahme der zehn neuen Mitgliedstaaten ist die Kandidatenliste für deren Kommissionsmitglieder noch nicht komplett. Aus Tschechien, Ungarn und Zypern lagen noch keine offiziellen Nennungen vor, hieß es aus der Behörde. Namen gibt es aber auch für die restlichen drei Neuen.
Für Zypern gilt Außenminister George Iacovou als aussichsreichster Kandidat unter offiziell immer noch mehreren Anwärtern. Iacovou kann auch auf breite politische Erfahrung verweisen: So leitete er die Afrika-Abteilung des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge und war von 1979 bis 1983 Botschafter seines Landes in Deutschland.
Der frühere Umweltminister Milos Kuzvart gilt als der künftige Mann aus Tschechien. Für Ungarn gilt Europaminister Endre Juhasz als Favorit. Juhasz kann als früherer EU-Botschafter auf reichlich Brüssel-Erfahrung verweisen und leitete auch die Beitrittsverhandlungen.
Die weiteren sieben Posten für die neuen Mitgliedstaaten sind praktisch vergeben: Slowenien nominierte den bisherigen Europaminister Janez Potocnik, Polen schickt Europaministerin Danuta Hübner, Estland den ehemaligen Ministerpräsidenten Siim Kallas, Lettland Außenministerin Sandra Kalniete, Litauen Finanzministerin Dalia Grybauskaite und Malta Außenminister Joe Borg.
Im Laufe des Februar werden sich die Kandidaten in Brüssel die Türklinke zu Prodis Büros in die Hand geben. Bis Ende des Monats will der Präsident jedem der neuen Kollegen eine Generaldirektion zuweisen, in der sie dem jetzt zuständigen Kommissar über die Schulter schauen sollen. Dafür muss Prodi bei Interessenüberschneidungen vermitteln. Zur praktischen Umsetzung gehört, dass für die neuen Kommissare und deren engste Mitarbeiter im eigenen "Kabinett" auch Arbeitsplätze gefunden werden. "Dafür werden wir möglicherweise die eine oder andere Wand verschieben müssen, aber Platz werden wir schon finden", ist man in der Umgebung des Präsidenten zuversichtlich.
Die neuen Kommissare haben von Beginn an auch ohne eigenen Kompetenzbereich volles Stimmrecht.