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Neue Hoffnung für RE-2-Halte

Fünf Minuten zu spät: Bis nach Cottbus kann der RE 2 diese Zeit nicht mehr aufholen – obwohl drei Lausitzer Bahnhalte abgekoppelt sind.
Fünf Minuten zu spät: Bis nach Cottbus kann der RE 2 diese Zeit nicht mehr aufholen – obwohl drei Lausitzer Bahnhalte abgekoppelt sind. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. Studie belegt Machbarkeit unter gegebenen Bedingungen. Land und VBB nehmen 2022 ins Visier. Vetschauer Bürgermeister: "Das muss schneller gehen." Christian Taubert

Am Samstag und Sonntag hat der Regionalexpress (RE) 2 wieder im Stundentakt in Raddusch gehalten. Was jetzt für die Gäste des Brandenburger Dorf- und Heimatfestes möglich war (der Halt in Brand blieb dafür außen vor), ist seit dem Winterfahrplan 2015/16 nicht mehr vorgekommen. Denn seither wurden die drei Lausitz-Haltepunkte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz abgekoppelt. Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) verkündete damals den Stopp, weil der Zug vier Minuten mehr Zeit in Berlin benötige, um pünktlicher zu werden.

Vor allem Berlin-Pendler aus der Lausitz haben seither nur wenig von diesem Effekt gespürt. Die Pünktlichkeit ist die Achillesferse des RE 2 geblieben. Seit der Studie der IHK Cottbus Anfang 2014 verwiesen Verkehrsexperten immer wieder darauf hin, dass die mit 389 Kilometern längste Regionalexpress-Strecke Brandenburgs Cottbus-Berlin-Wismar ein viel zu enges Korsett hat. Dazu trägt das lediglich eine Fernbahngleis in Königs Wusterhausen ebenso bei wie die lange Durchfahrt durch Berlin und die Eingleisigkeit der Strecke zwischen Lübbenau und Cottbus.

"An diesen Bedingungen wird sich bis 2030 nichts ändern. Bis zum zweiten Gleis Lübbenau-Cottbus vergehen 15 Jahre", sagt Dieter Doege, Mitautor einer überarbeiteten Studie der Arbeitsgemeinschaft "ÖPNV-intakt", in der die Splittung der RE 2-Strecke in Berlin als einzig gangbare Lösung nachgewiesen wird. Denn sowohl die von Ministerin Schneider ins Spiel gebrachte Flügelung der Regionalbahn 24 in Lübbenau in Richtung Senftenberg und Richtung Cottbus habe sich als nicht tragfühig erwiesen, als auch der Spreewald-Express Cottbus-Lübben - der in der Region als uneffektiv abgelehnt wird.

Dagegen haben Potsdamer Ministerium und Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) nach RUNDSCHAU-Informationen offenbar ihre ablehnende Haltung zur Teilung der Strecke aufgegeben. So ist während eines Regionaldialogs des Ministerims im Juni in Wittenberge bereits darauf verwiesen worden, dass der RE 2 zwischen Nauen und Wismar durch den RE 9 im Stundentakt ersetzt werden soll.

Diesem Ansatz folgen auch die Autoren der Studie. Sie wollen den bisherigen RE 2 von Wismar über Nauen, Berlin-Hauptbahnhof (tief) nach Südkreuz (dann als RE 9) verkehren lassen. Der aus Cottbus kommende RE 2 fährt über Ostkreuz, Berlin-Hauptbahnhof bis nach Nauen. "Alles andere wird ohne das zweite Gleis Lübbenau-Cottbus nicht funktionieren", betont Doege. Das haben die Bürgermeister der betroffenen Lausitz-Kommunen und die Bürgerinitiative für den Erhalt der drei Lausitzer Bahnstationen in der jüngsten Sitzung der Enquetekommission im Potsdamer Landtag unterstrichen. Festlegen wollte sich die Landesregierung auf die Splittung der Strecke aber noch nicht.

Wie die Forster Landtagsabgeordnete Anke Schwarzenberg der RUNDSCHAU bestätigt, werde es im Oktober "einen Vorschlag des Landes in die Region hinein geben". Die Lösung solle ab 2019 tragen, erklärt die Linke-Politikerin, für die die drei Lausitz-Halte wieder ans Netz gehören. Der Vetschauer Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) hatte bisher die Information, dass eine Splittung erst nach 2022 möglich werden solle. "Das muss schneller gehen", sagt der Rathauschef.

Die Stadt Vetschau, zu der Raddusch gehört, und die Gemeinde Kolkwitz hatten die Studie in Auftrag gegeben. Mitautor Dieter Doege vermutet, dass die Neuvergabe der Strecke 2022 abgewartet werden soll. "Das ist aber gar nicht nötig", betont der Bahnexperte.

Mehr zur Strecke Cottbus-Berlin: www.lr-online.de/re2

Zum Thema:
Die Eingleisigkeit der Bahnstrecke zwischen Lübbenau und Cottbus gibt der Verbindung nach Berlin nur wenig Spielraum. Um dieses Nadelöhr zu beseitigen, hat Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) die Planung angestoßen. Im März 2016 stellte das Land 2,4 Millionen Euro als Vorleistung zur Verfügung, damit die Deutschen Bahn mit dem Vorhaben bereits starten kann.