„Die Landesregierung bekommt ein Geschenk auf dem
Silbertablett serviert“
 Edwin Zimmermann über seinen Optimismus zum künftigen Freizeitpark


Wo heute das Spreewaldpark-Hotel Niewitz steht, soll einmal eine völlig neue Erlebniswelt beginnen.Der SPD-Landtagsabgeordnete Edwin Zimmermann, der zu den wenigen Optimisten und Insidern gehört, was die Zukunftsfähigkeit des Projektes angeht, glaubt an eine realistische Chance, dass eine Art Disney World am Rande des Spreewalds entsteht. „So weit war das Projekt noch nie“ , bewertet Zimmermann die gestern parafierte Vereinbarung zwischen den potenziellen Investoren des Spreewald-Ressorts Lübben. Den Freizeitpark ins Leben rufen wollen demnach Projektbetreiber Ensis BV Project Development aus Holland, der seit Jahren ein Büro im Spreewaldpark-Hotel Niewitz führt, Parkbetreiber Ledo International INC und Investment-Bank Nothern Capitals aus den USA sowie Bovis Lend Lease I'RW AG München als Bauprojekt-Verantwortlicher.

Große Versprechen
Mit einem Finanzierungsaufwand von 630 Millionen US-Dollar soll am Rande von Lübben auf 450 Hektar ein „Erlebnispark von Weltklasse“ entstehen, wie es in einer Betreiberstudie heißt. In zwei Themenparks sollen jährlich 3,8 Millionen Besucher die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und verschiedene Regionen der Welt kennen lernen. Ein See, Wellenbäder, Schnorchelpools, Sandstrände, Wasserrutschen, Surfen unterm Dach und abenteuerliche Wasserspiele sollen Attraktionen eines Wasserparks sein. In einem Feriendorf sind Hotels, Bungalows und Villen sowie diverse Einkaufs-, Freizeit- und Unterhaltungseinrichtungen vorgesehen. Ein 18-Loch-Golfplatz soll betuchte Urlauber anlocken. „In dem Park werden 3500 Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kommen 10 500 Arbeitsplätze außerhalb des Parkes“ , glaubt Landtagsabgeordneter Zimmermann, der damit für seinen Wahlkreis auf einen gewaltigen Aufschwung hofft. Die FDK-Unternehmensberatung aus Cottbus soll nach Angaben von Zimmermann dafür sorgen, dass beim Bau des Parks auch regionale Firmen einbezogen werden.

Hürden noch zu meistern
Das bisher im Lichte der Öffentlichkeit geheimnisvolle Vorgehen der Investoren, das mehr Misstrauen als Vertrauen schaffte, verteidigt der ehemalige brandenburgische Landwirtschaftsminister: „Wer sich die vielen Projekte ansieht, die mit großen öffentlichkeitswirksamen Auftritten begannen und die dem Land nur verlorene Fördermittel brachten, der kann das diskrete Vorgehen der Investoren nur begrüßen. Wichtig für diese war der Schutz der Kapitalgeber.“
Mit der gestrigen Signierung des Projektforum-Vertrages, der nächste Woche offiziell in Niewitz unterzeichnet werden soll, sind noch längst nicht alle Hürden beseitigt. Die Grundstücke des künftigen Parkes gehören gegenwärtig noch rund 150 Eigentümern, mit denen nach Angaben des zuständigen örtlichen Planungsverbandes Lübben, Niewitz und Freiwalde, noch keine Verkaufsverträge abgeschlossen sind. Der Planungsverband tagte übrigens letztmalig im Mai 2002. Danach habe es mangels fehlender Projektfortschritte keinen Handlungsbedarf mehr gegeben, erklärte ein Verbandsvertreter gegenüber der RUNDSCHAU.
Am 7. März wird sich Brandenburgs Verkehrsminister Hartmut Meyer in Niewitz mit den jetzigen Investor treffen. „Der Minister will sich anhören, was geplant, was an infrastrukturellen Maßnahmen notwendig ist und wie die Finanzierung aussehen soll,“ , erklärte Ministe-
riumssprecher Lothar Wiegand. Das Treffen ist Folge eines kürzlichen Gesprächs der potenziellen Investoren bei Ministerpräsident Matthias Plat-
zeck. Dabei habe Platzeck die Unterstützung und das partnerschaftliche Handeln der Landesregierung zugesichert, sagte Regierungssprecher Erhard Thomas gegenüber der RUNDSCHAU. Voraussetzung sei, dass Art und Umfang der Verkehrsanbindung geklärt sind und die Gesamtfinanzierung des Projektes belastbar hergestellt und damit glaubhaft ist, so der Regierungssprecher.
Entscheidend für die Umsetzung der Millionen-Investition ist nach Angaben von Edwin Zimmermann die eindeutige Unterstützung durch die Landesregierung. „Wichtig ist, dass sich die Landesregierung, die hier ein Geschenk auf dem silbernen Tablett erhält, zu einem Partnerschaftsvertrag bereit erklärt. Ein Entwurf liegt ihr vor. Auch der Landkreis muss seine abwartende Haltung in ein Miteinander umwandeln. Wenn dieses Projekt durch Formalien behindert wird, bürokratische Hürden Planungen und Verfahren zur Herstellung der Baureife erschweren, kann es passieren, dass die für das Jahr 2007 vorgesehene Eröffnung nicht zu halten ist und sich die Kapitalgeber zurückziehen“ , warnt Zimmermann.

Ungewöhnlicher Vertrag
Ein solcher Vertrag, so räumt er ein, sei zwar ungewöhnlich, doch eine „Willensbekundung könne man bei der Investitionssumme und der hohen Arbeitslosigkeit“ von der Politik erwarten. Martin Wille, Landrat des Dahme-Spreewald-Kreises, versichert: „Wir haben den Investoren, die allerdings inzwischen mehrfach gewechselt haben, immer wieder signalisiert, dass wir alles tun werden, um das Projekt zu unterstützen.“ Und er ergänzte: „Alles heißt unbürokratische Hilfe. Nur Geld können wir nicht geben. Wir stehen gewissermaßen mit Kugelschreiber und Gesetzen bei Fuß, um loszulegen.“
Eine Willensbekundung aus dem Wirtschaftsministerium liegt nach Informationen der RUNDSCHAU der Ensis BV bereits seit langem vor. Darin wird die Begleitung des Projekts zugesichert, aber auch deutlich gemacht, dass mit keinen Fördermitteln vom Land zu rechnen ist.